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Das
Augusteum

und dessen

Übergabe an die Universität Leipzig
am dritten August 1836

Perpetuo intemeratum sit templum virtutum numquam
obliviscendi regis FRIDERICI AUGUSTI!
G. Hermannus.

Leipzig, bei Breitkopf und Härtel

Vorwort.

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Die Übergabe des Augusteums an die Universität erhielt dadurch, daß Se. königliche Hoheit der
Prinz Johann im allerhöchsten Auftrage sie persönlich vollzog, eine Würde und einen Glanz, die auf
Jeden, der das Glück hatte, Zeuge davon zu sein, einen tiefen und bleibenden Eindruck machten. Alle
wünschten, die Rede des Fürsten zu besitzen, worin Er die vaterländische Bedeutung der feierlichen
Handlung mit Geist und Kraft aussprach und Selbst das fromme Gefühl bezeugte, mit welchem das Sächsische
Volk das Andenken an die verewigten Könige Friedrich August und Anton treu bewahrt.

Als hierauf, nach erfolgter Übergabe, der Staatsminister von Lindenau den sinnvollen Glückwunsch des
Vertrauens und Wohlwollens an die Universität, an das gesammte Land und an die akademische Jugend richtete,
so war das Verlangen allgemein, auch dieses erweckende und klare Wort des hochverdienten Staatsmannes in einem
weiteren Kreise lesen zu können.

Se. königliche Hoheit und Se. Excellenz haben diesen, auch öffentlich ausgesprochenen Wunsch zu
gewähren geruht, und ich erhielt die Handschriften, mit der Erlaubnis, die sämtlichen Festreden
nebst einer Beschreibung des 3ten August in Druck zu geben.

Da nun das Augusteum auf einem historischen Boden steht und ein Denkmal der dankbarsten Erinnerung ist, so schien
mir darin die Aufforderung zu liegen, bei dieser Beschreibung dem Schritte der Zeit zu folgen, in welcher Verdienst
an Verdienst sich reiht.

Nur wenige Zeilen konnten dem halben Jahrhunderte gewidmet werden, das in unserm Vaterlande das Augusteische
heißen sollte, allein es bedurfte keiner ausführlichen Schilderung, denn hier verkündet jeder
Schritt:

Te Saxa Loquuntur!

Leipzig, den 31. August 1836.

F. Ch. A. Hasse.

Edle Bauwerke sind Urkunden der Zivilisation, und eine reiche Vergangenheit ist das Programm der Zukunft. Eine
solche Urkunde in der Kulturgeschichte des sächsischen Volkes ist das Augusteum der Universität Leipzig.
Als ein Denkmal der Regierung Friedrich August I., Königs von Sachsen, ist es zugleich ein Denkmal der
Pietät seines Volkes und ein Denkmal des Gemeinsinnes unserer Zeit für die höheren Zwecke des
Lebens durch die Bildung künftiger Geschlechter.

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Die Stiftung
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Als die fünfzigjährige Regierung des Königs an dem großen Jubeltage treuer Sachsen, am
20. September 1818, im ganzen Lande mit begeisterter Liebe gefeiert wurde; als an diesem Tage wohltätige
Stiftungen und Bildungsanstalten, im Geiste des Jubelregenten, ins Leben traten 1); als
in Leipzig, wohin der König zur Feier dieses Tages den Prinzen Friedrich – den jetzt regierenden
König – gesandt hatte, von den sämtlichen dasigen Behörden ein feierlicher Zug aus der
Nicolaikirche durch die Hauptstraßen der Stadt in die Universitätskirche gehalten wurde, wo die
Hochschule des Landes durch eine Gedächtnisrede die Huldigung der dankbarsten Verehrung, Liebe und Treue
dem Vater des Vaterlandes darbrachte: bei dieser Regierungsjubelfeier, der ersten in der Geschichte unseres Landes,
hatten die Stände dringend gebeten, dem Könige ein öffentliches Denkmal zu errichten; allein der
fromme, bescheidene Sinn des ehrwürdigen Monarchen lehnte die Bitte ab, "weil er das ihm
wünschenswerteste Denkmal in der Zufriedenheit seiner Untertanen über die lange Dauer seiner
Regierung finde."

Der König starb am 5. Mai 1827, und in demselben Jahre schon bildete sich, unter Genehmigung des Königs
Anton, aus Mitgliedern verschiedener Kollegien, einem Mitgliede des Stadtrates zu Dresden, so wie einigen Gelehrten
und Künstlern ein Verein, dessen Zweck zunächst dahin ging, über die Art und Weise der
Ausführung eines dem Könige Friedrich August nach dem Wunsche des Volkes zu errichtenden Denkmals
Vorschläge zu tun. Dieser Verein beriet sich über die Form des Denkmals, über das Material, woraus
dasselbe bestehen solle, über den Platz, wo es aufzustellen und über die Künstler, durch welche es
herzustellen sei; hierauf erließ er einen Aufruf an das Publikum zu freiwilligen Beiträgen, wodurch die
Summe von 18.816 Tl. 4 Pf. erlangt und solche einstweilen durch Ankauf inländischer Staatspapiere zinsbar
angelegt wurde. Während dies geschah, gaben im Juni 1828 die vorsitzenden Stände der Kreislande in einer
bei Sr. Majestät dem Könige eingereichten Vorstellung den Wunsch zu erkennen: "es möchten vor der
dieses Denkmals halber zu fassenden hauptsächlichen Entschließung und vor der wirklichen Ausführung
die Stände mit ihren etwaigen Anträgen gehört werden." Diesem Wunsche gemäß wurde die
Errichtung des Denkmals als eine Volksangelegenheit verfassungsmäßig eingeleitet. Die fernere Einsammlung
von Beiträgen unterblieb, und zu Anfange des Jahres 1830 wurde, mit königlicher Genehmigung, aus einigen
Mitgliedern jenes Vereines und den von den Ständen dazu besonders erwählten Deputirten eine Kommission
zusammengesetzt, welche das Ergebnis ihrer Beratung der damaligen Ständeversammlung vorlegte, worauf letztere
in einer Schrift vom 24. Mai 1830 ihre Ansichten und Entschließungen dahin aussprach und zu erkennen gab:
"es scheine ihr, um der Würde des Gegenstandes und den früher von den Ständen deshalb
geäußerten Gesinnungen tunlichst zu entsprechen, und die vielleicht nicht allgemein gleichen
Ansichten über die größere Vorzüglichkeit eines bildlichen Denkmals, oder einer
gemeinnützigen Stiftung zu vereinigen, am angemessnsten,

wenn ein doppeltes Denkmal, nämlich eine Statue des höchstseligen Königs Friedrich August aus Erz
gegossen und in Dresden aufgestellt, so wie ein für die Landesuniversität zu Leipzig zu erbauendes,
großartiges, für öffentliche wissenschaftliche Zwecke, Insonderheit zu einem großen
Hörsaale für öffentliche Feierlichkeiten, einer namhaften Anzahl von Hörsälen für
akademische Lehrer, zu Aufstellung der ganzen Universitäts- Bibliothek und des physikalischen Apparates
einzurichtendes, mit dem Namen Augusteum zu belegendes Gebäude, welches die Stelle des abzubrechenden
Hintergebäudes des Pauliner ColIegiums am Stadtzwinger einnehmen möge, die verehrungsvollen und dankbaren
Gesinnungen der sächsischen Nation gegen ihren verewigten König, Friedrich August,
bezeuge 2)."

Dieser Vorschlag der Stände erhielt die königliche Genehmigung. Hierauf wurde von den Ständen
vorläufig der veranschlagte Kostenbedarf mit 50.000 Talern für das bildliche Denkmal und 64.900 Talern
für das Universitätsgebäude bewilligt, zu dem Denkmale sollten zuvörderst die indessen durch
gewonnene Zinsen bis zu 20.000 Talern gewachsenen freiwilligen Beiträge verwendet werden 3).

Von jetzt an leitete eine für diesen Zweck niedergesetzte königl. Baukommission und an ihrer Spitze
Se. K. H. der Prinz Johann das ganze Unternehmen. Bei weiterer Prüfung der ersten Risse und Anschläge
gewann man aber bald die Überzeugung, daß der ursprüngliche, auf das Notwendige berechnete Plan
sehr erweitert werden müßte, wenn man die nach den ständischen Anträgen selbst bei dem Baue
zu beobachtenden Bedürfnisse der Universität und eine auch im Äußern des Zweckes würdige
Ausführung des Baues vollständig ins Auge faßte. Da nun der Grundbau und die ganze Anlage des
Gebäudes, wenn dasselbe dem neuen Plane, der die königliche Genehmigung erhalten hatte, gemäß
und nach dem Antrage der Stände großartig ausgeführt werden sollte, einen größeren
Kostenanschlag nötig machten, so wurde hierzu und zu dem inneren Ausbaue auf dem ersten konstitutionellen
Landtage von den Ständen die in dem königlichen Dekrete vom 27. Januar 1833 beantragte Summe von 60.000
Talern in der Sitzung der zweiten Kammer am 3. Mai 1833 mit 54 Stimmen gegen 10 verwilligt. Hierauf bewilligte auch
die erste Kammer am 30. Mai 1833 jene Summe mit 29 Stimmen gegen eine, unter der Erklärung, daß auf eine
nochmalige Nachbewilligung nicht werde eingegangen werden können. Dieser Erklärung trat jedoch die zweite
Kammer in ihrer Sitzung am 10. Juni nicht bei; indes vereinigte man sich dahin, in der Schrift auszudrücken,
man erwarte nicht, daß Nachforderungen gemacht würden. So ward nun die letzte Bewilligung in die
ständische Schrift vom 17. Juni 1833, und die darauf sich beziehende Stelle in den Landtags-Abschied vom
30. Oktober 1834 aufgenommen 4).

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Der Grund und Boden des Augusteums.
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Das 19. Jahrhundert steht hier auf dem Grabe des 13.; aber das spätere Verdienst edler Männer reihte sich an das
ältere, und keines ging unter. Nur das Vergängliche ist in Schutt und Staub zerfallen. Das Schloß, welches
einst der Markgraf zu Meißen, Dietrich der Bedrängte, an dem grimmaischen Tore der Stadt Leipzig im Jahre 1217 folg.
hatte anlegen lassen, um sich, nach der Unterdrückung eines Aufstandes, des Gehorsams der Bürger zu versichern, wurde
von den Bürgern, nachdem ihnen der Landgraf in Thüringen, Ludwig IV., als Vormund Heinrichs des Erlauchten die Erlaubnis
dazu erteilt hatte, im Jahre 1225 niedergerissen und bis auf den Grund verwüstet 5). Vier Jahre
später begann auf demselben Platze ein Klosterbau. Dominikaner-Mönche, die aus Grimma nach Leipzig eingewandert waren,
gründeten hier im Jahre 1229, mit Bewilligung des Rats, ein Kloster und eine Kirche, die dem heiligen Paulus gewidmet wurden;
daher der Name Paulinum. Sie nahmen dazu die Steine des am grimmaischen Thore eingerissenen Schlosses. Im Jahre 1231 erlaubte
ihnen der Markgraf Heinrich der Erlauchte, die Kirche und das Schlafhaus der Mönche, oder das Dormitorium, durch die Stadtmauer
zu führen. Mit diesem Jahre beginnt die urkundliche Geschichte des Platzes, auf welchem jetzt das Augusteum steht
6).

Vor fünfhundert und sechsundneunzig Jahren (1240) wurden Kirche und Kloster in Gegenwart Wilibrands, Erzbischofs zu Magdeburg,
Konrads I., Bischofs zu Meißen, und Engelhards, Bischofs zu Naumburg, von dem Bischof zu Merseburg, Friedrich, feierlich
eingeweiht 7).

Das Paulinum war ein ehrenvolles Denkmal der Baukunst jener Zeit. Durch viele und reiche Schenkungen erhob sich das Kloster zu einem
der angesehensten und begütertsten des Ordens in Deutschland. Es bestand aus mehreren großen und festen Gebäuden,
die bis in die neuere Zeit unter verschiedenen Namen in den Rechnungen vorkommen 8). Auf der Ostseite lagen neben der Kirche die
Hintergebäude. Zu diesen gehörte jenes Zwingerhaus, das zum Schlafhause der Mönche diente; weil es zum Teil
außerhalb der Stadtmauer und im Zwinger lag, wurde es Domus Pomœriana genannt. Am Ende des 15. oder im Anfange des 16.
Jahrhunderts mußte es neu gebaut werden, und hieß jetzt das "neue Haus 9)." Dieses
brannte aber in der Nacht des Neujahrstages 1503, als die Mönche den Kardinal Raimund, welcher als päpstlicher Legat mit
Ablaßbriefen nach Leipzig gekommen war und im Paulinerkloster wohnte, festlich bewirteten, durch die Vernachlässigung
der Wächter größtenteils ab.

Drei Jahrhunderte hindurch diente das Paulinerkloster den frommen Zwecken des Mittelalters. Neben ihm erblühte die Hochschule
seit 1409. Bald drängten sich Ereignisse, welche eine große Bewegung im geistigen und im Kirchenleben hervorbrachten und
die Reformation vorbereiteten. Auch in Leipzig begann der Kampf der alten mit der neuen Zeit, und in dem Dominikanerkloster des
heiligen Paulus lebte seit 1489 der Mann, welcher im 16. Jahrhunderte durch den Ablaßstreit jenen Kampf entzündete.
Johann Tetzel hatte auf der Universität Leipzig Theologie studiert, und war dann in das Paulinerkloster gegangen. Wegen seiner
Beredtsamkeit ward er in den Jahren 1502-1504 zum Ablaßprediger gewählt. Er trieb seinen schändlichen Handel in
ganz Deutschland bis zum Jahre 1518; dann kehrte er nach Leipzig in das Paulinerkloster zurück und starb daselbst, bald nach
der berühmten Leipziger Disputation zwischen Dr. Eck, Karlstadt und Luther, im August 1519. In der Folge ward durch die
Ausbreitung der Reformation das Klosterleben so erschüttert, daß auch in Leipzig die Zahl der Mönche abnahm und
Herzog Georg im Jahre 1537 dem Rate zu Leipzig die Erwerbung der Klostergüter zugestand 10). Bei
dem Ableben des Herzogs Georg zu Sachsen (17. April 1539) waren in dem großen und reichen Paulinerkloster nur noch der
Prior, Dr. Wolfgang Schirrmeister, und vier Mönche anwesend; die übrigen waren ausgewandert oder zu anderen Berufsarten
übergegangen.

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Kurfürst Moritz, der zweite Gründer der Universität, und Dr. Caspar Börner.
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Die Bestimmung des Paulinerklosters ging mit dem Zeitalter unter, in welchem und aus welchem dasselbe entstanden war. Es kam
eine neue Zeit, und ein höheres geistiges Bedürfnis bewegte die Gemüter. Dies erkannten jene Männer, welche
durch Gesinnung und Bildung, durch Geist und Tatkraft ihren Zeitgenossen voranstanden. Solche Männer waren der Herzog Moritz,
seit 1547 Kurfürst zu Sachsen, und der Professor der Theologie in Leipzig, Dr. Caspar Börner aus Hayn. Das Werk
derselben, die Erweiterung und Umbildung der Hochschule im Geiste ihrer Zeit, besteht im Wesentlichen noch jetzt.

Unter der Regierung des Herzogs Heinrich des Frommen erklärte die Universität am 12. August 1539 gegen die
fürstlichen Kommissarien ihre Bereitwilligkeit zur Annahme der Reformation 11). Die
Einführung der verbesserten Lehre wies auch dem Klostervermögen eine andere Bestimmung an. Da nun die Klöster
in Leipzig von ihren Bewohnern größtenteils verlassen waren, so unterhandelte die Regierung wegen deren Aufhebung
mit dem Stadtrate, in dessen Besitz die Klostergüter durch Kauf nach und nach seit 1538 übergingen
12); nur das große von vier Mönchen noch bewohnte Dominikanerkloster war allein noch
übrig. Da faßte ein redlicher und geschäftskundiger Mann, der Professor der Theologie, Caspar Börner -
in den Halbjahren 1539, 1541 und 1543 Rektor der Universität 13) - den Gedanken, das
Paulinerkloster mit allem Zugehör der Universität auf ewige Zeiten zuzuwenden. Edle Männer unterstützten
das mutige Unternehmen des kräftigen Mannes 14). Als die Sache gehörig vorbereitet war,
ging er, als Rektor, im Januar 1541 zu Fuß nach Dresden, oder, wie eine andere Nachricht sagt, nach Grimma, zu dem
Herzog Moritz, und gewann das Vertrauen des tapferen und staatsklugen Fürsten in so hohem Grade, daß dieser
der Universität das ganze Paulinum mit der dazu gehörenden Kirche, die Bibliothek, die fünf Dörfer,
Holzhausen, Zuckelhausen, Klein-Pösna, Wolfshayn und Zweenfurth, welche ehemals dem Thomaskloster gehört hatten,
und 325 Acker Holz, ebenfalls ein Eigentum des Paulinerklosters, auf ewige Zeiten übereignete.

Die förmliche Übergabe des Paulinerklosters und der Kirche mit allem Zugehör an den Rektor der
Universität, M. Paulus Bussinus, geschah in Folge eines herzoglichen Rescripts durch Christoph von Carlowitz,
Schloßhauptmann auf der Pleißenburg, am 28. Juni 1543 15).

Großes war erreicht; Größeres noch mußte geschehen. Es galt die Aufgabe, das Kollegium Paulinum
für die Zwecke der Hochschule herzustellen, einzurichten und zu erhalten. Diese Aufgabe löste Börner mit
seinem Leben. Fünf Jahre hindurch war der redliche, einsichtsvolle, tatkräftige Mann mit der Wiederherstellung
der weitläufigen Gebäude, mit der Rettung der Überreste des vaterländischen Altertums, die in dem
Paulinum der Erhaltung würdig waren, und mit der Umbildung des Ganzen beschäftigt. Sein Freund, der
berühmte Joachim Camerarius, teilte mit ihm Sorge, Arbeit und Mühe. Beide schafften die Geldmittel herbei,
welche zur Ausführung des Neubaues im Innern erforderlich waren. Der großherzige Fürst hatte dazu eine
Summe von 2.000 fl. angewiesen. Wie Börner insbesondere für die Einrichtung der von ihm begründeten
Universitäts-Bibliothek, des Convictoriums, der Hörsäle, des Archivs, der Wohnungen und Gärten,
namentlich auch für die neue Einrichtung der Paulinerkirche gesorgt, wie er alles geordnet, über alles Buch
und Rechnung geführt, bezeugen ehrenwerte Männer, die nach ihm gelebt haben: Feller, Jöcher, Ernesti und
Böhme. Börners Denkmal ist im Laufe der Zeit zerstört worden; aber Joachim Camerarius´ Zeugnis von
ihm konnte nicht vernichtet werden, und was Börner selbst sagte, als er das Geschenk eines Ehrenbechers ablehnte,
ist in Erfüllung gegangen. "Er wolle, sprach er, das, was er getan, der Universität geschenkt haben;
aber den Lohn solle man ihm gewähren, daß man das Erworbene wohl anwende, dem Willen des trefflichen
Fürsten nachkomme und Gott dankbar verehre: über sein Wollen und Wirken werde die Nachwelt Richter
sein!" 16).

Fortdauernd sorgte Börner für die Erhaltung des Paulinums. Als im Kriege 1546 die Universität nach
Meißen verlegt werden mußte, blieb Börner zum Schutze des Paulinums in der belagerten Stadt
zurück. Brandkugeln wurden in die Gebäude desselben geworfen, und ein Teil davon, das Siechhaus (die Firmerei)
brannte ab; viel ward durch die darin aufgenommenen Flüchtlinge beschädigt; eine ansteckende Krankheit raffte
viele Einwohner hinweg; auch nachdem die Belagerung aufgehoben war. Börner arbeitete, wie Camerarius bezeugt,
Tag und Nacht, um alles von Neuem zu bessern und sein Werk wieder herzustellen. Da unterlag er, noch nicht 60 Jahre alt,
der Ansteckung, oder der Sorge und Anstrengung, am 2. Mai 1547.

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Friedrich August III., Kurfürst und König von Sachsen.
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Des Kurfürsten Moritz und Caspar Börners Werk bestand fort und fort. Denn auf den Regenten des Landes ruhte der edle Sinn des
großen Moritz, für die Erhaltung, Erweiterung und zeitgemäße Fortbildung des Paulinums und der mit demselben
verbundenen wissenschaftlichen Anstalten. Sein Fürstenwort: "Ich hab' es gesagt, Ich hab' es geschrieben und werde es halten,"
wurde von seinen Nachfolgern treu erfüllt. Auf der Stelle, wo einst aus den Trümmern des abgebrochenen Trutzschlosses das
Dormitorium der Dominikaner erbaut und wo im Anfange des 16. Jahrhunderts das "neue Haus" des Paulinums abgebrannt war, ließ
Kurfürst August im Jahre 1578 ein anderes, zwei Stockwerke hoch ausführen, und dessen Tabulate, das alte, mittlere, spitzige
und neue, zu Stipendiaten- und Studentenwohnungen einrichten. Im Jahre 1726 ward dieses Gebäude noch mit einem Stockwerke, dem
grünen und roten Tabulate, übersetzt. Dieses Gebäude wurde im November 1830 abgetragen, und auf dem historischen Grund
und Boden, der uns an die Zeiten des Markgrafen Dietrich des Bedrängten, an des Landgrafen Ludwig IV. Wohlwollen für Leipzig,
an des Markgrafen Heinrich des Erlauchten Indultbrief, an des Herzogs Moritz Großmut und Weisheit, an Caspar Börner und an den
Kurfürsten August erinnert, erhob sich im vierten Jahrzehend des 19. Jahrhunderts das Augusteum.

An diesen Namen, an diese Stelle und an dieses edle Bauwerk knüpft sich fortan sinnbildlich die Geschichte der
achtundfunfzigjährigen Regierung Friedrich Augusts. Ein geschichtlich begründetes Bild derselben hat Pölitz aufgestellt
in seinem Werke: Die Regierung Friedrich Augusts, Königs von Sachsen (Leipzig 1830. 2 Teile, nebst 18 Tafeln mit Abbildungen der
Denkmünzen zur Geschichte der Königs.). Hier kann nur angedeutet werden, was Friedrich August im Geiste der Kurfürsten
Moritz und August, mit weiser Berücksichtigung seiner Zeit, für das Gedeihen der Hochschule seines Landes erhaltend,
schützend, befördernd getan und erstrebt hat.

In der Zwischenzeit zwischen dem Tode des großen Kurfürsten August 17) und dem Regierungsantritte Friedrich Augusts geschah nur
das Notwendige für die Hochschule. Friedrich August aber faßte sowohl die zeitgemäße Fortbildung des
wissenschaftlichen Lebens, als auch den steigenden Bedarf an Lehr- und Geldmitteln ins Auge. Um das sittliche Betragen der Studierenden zu
befördern, wurden durch das Rescript vom 4. Nov. 1768 Abgangs-Zegnisse eingeführt; das Generale vom 24. Juli 1769 und ein
Rescript vom 8. Nov. 1811 verordneten, daß Fähigkeit, Sittlichkeit und Reife über die Bestimmung der Jünglinge
für akademische Studien entscheiden sollten. Gegen die Ordensverbindungen wurden zu verschiedenen Zeiten Befehle erlassen. Das
geschichtliche Studium ward den Studierenden durch das Rescript vom 13. Januar 1808 empfohlen, und das Rescript vom 21. Dec. 1811
beabsichtigte, der nachteiligen Vernachlässigung der Hilfswissenschaften vorzubeugen. Über die Besetzung der ordentlichen
Lehrstellen enthielt das Rescript vom 23. Juli 1783 zweckmäßige Vorschriften. Verdienten akademischen Lehrern wurden
außerordentliche Unterstützungen und Gehaltszulagen erteilt, wozu Friedrich August bestimmte Summen anwies, namentlich
im J. 1811 durch die Schenkung der Einkünfte der ihm zugefallenen Ordensgüter, und die Stände schon bei dem Landtage
von 1805, auf den Antrag der Regierung, gewisse Fonds bewilligten 18). Es wurden besondere Nominalprofessuren für die
Cameralwissenschaften, das Natur- und Völkerrecht, die Chemie, die Naturgeschichte, die Entbindungskunde, die Klinik, die psychische
Heilkunde, die pathologische Anatomie, die Astronomie, die Homiletik, die Pädagogik und Katechetik errichtet, auch im J. 1784 die
Stelle eines Profektors gestiftet; es wurden ferner zu Erhaltung und Vermehrung der Sammlungen jährliche Geldbeiträge bestimmt usw.

Insbesondere erhielt die Universität Leipzig auf dem Landtage vom J. 1766 für die im siebenjährigen Kriege verlornen
Zinsen die Aversionalsumme von 12.000 Talern, und im J. 1799 bewilligte der Kurfürst zum Neubaue des Vordergebäudes im Paulinum
10.000 Taler. Zu Errichtung einer Sternwarte schenkte der Kurfürst am 23. Oct. 1786 den Turm der Pleißenburg und zu den Kosten
des Baues 10.919 Taler; auch schenkte er der Sternwarte 1.200 Taler zur Anschaffung der nötigen Instrumente und das Geld zur
Anschaffung des Holzes. Im Jahre 1800 bewilligte er 3.466 Taler zur Erbauung der Wohnung des Observators und seiner Gehilfen auf der
Pleißenburg; auch 2.000 Taler zur Anschaffung der noch fehlenden Instrumente und Bücher. Im J. 1805 ward auf Kosten des
Kurfürsten in der Pleißenburg das (unter der Regierung des Königs Anton nach dem wissenschaftlichen Erfordernis ganz
umgebildete) chemische Laboratorium eingerichtet und mit dem damals nötigen Apparate versehen. Auch kaufte der Kurfürst im J.
1785 für den Gebrauch bei den Vorlesungen über die Physik die physikalischen Instrumente des Professors Ludwig und im J. 1809
den physikalischen Nachlaß des Professors Hindenburg; endlich ward bei dem durch Friedrich August errichteten physikalischen
Kabinet, das sich jetzt in dem Augusteum befindet, ein besoldeter Unterinspektor angestellt. Der Universität fehlte bisher ein
Klinikum. Diesem Bedürfnisse ward notdürftig dadurch abgeholfen, daß der Magistrat zu Leipzig im J. 1799 der
Universität gestattete, an seinem zweckmäßig eingerichteten Jacobsspitale eine klinische Anstalt für Studierende
einzurichten, wozu der Kurfürst die erforderlichen Gelder bewilligte. Im J. 1810 ward durch mehrere großmütige
Privatstiftungen bei der Universität eine Entbindungsanstalt (das Triersche Gestift) gegründet und ein der Universität
dazu von der Witwe des Appellationsrats Trier vermachterGarten zu einem botanischen Garten eingerichtet, wozu der König die
nötigen Anordnungen treffen ließ. Beide Institute hat sein Nachfolger im J. 1828 zweckmäßiger getrennt und
erweitert. Auch das erste, im J. 1778 eröffnete, Taubstummeninstitut in Deutschland verdankte dem Kurfürsten sein Dasein. Er
gab dem verdienstvollen Stifter Heinicke einen Jahresgehalt und ließ 13 Individuen darin auf seine Kosten erziehen; im J. 1786
stellte er das Institut unter die Aufsicht der Universität 19). Bei der Jubelfeier der Hochschule am 4. Dec. 1809, wozu der
König eine ansehnliche Summe bewilligte, erhob Friedrich August die von dem Professor Beck im J. 1784 gestiftete philologische
Gesellschaft zu einem königlichen philologischen Seminarium; er erteilte dem Direktor desselben einen Jahresgehalt und bestimmte
für die Mitglieder desselben zwölf Stipendien. Um diese Zeit ward, schon im J. 1808, zu einer zeitgemäßeren,
durchgreifenden Umbildung des Organismus der Hochschule die Einleitung getroffen und eine Kommission sowohl mit der Revision ihres
Zustandes als auch mit der Entwerfung einer Umgestaltung ihrer Verfassung und Verwaltung beauftragt 20). Spätere Ereignisse
verzögerten die Ausführung dieses Planes; aber die Fürsorge des Königs für die Hochschule bewährte sich bei
jeder Gelegenheit. Um die großen Lücken in den verschiedenen wissenschaftlichen Fächern der Universitäts-Bibliothek
auszufüllen, wandte sich seine Freigebigkeit zunächst auf die Vermehrung der philologischen Werke. Er erkaufte im J. 1817
für 10.000 Taler die philologische Büchersammlung des Professors und Bibliothekars Schäfer zu Leipzig und aus der
Büchersammlung des in Dresden verstorbenen Arztes Dr. Pezold für 1.000 Taler philologische Werke. Außerdem schenkte er
zum Neubaue des kleinen Fürstenkollegiums (im J. 1824) 5.000 Taler bar, und bewilligte zur Deckung der Zinsen der für diesen
Bau noch aufzunehmenden Kapitalien einen jährlichen Zuschuß von 150 Talern auf zehn Jahre. Im folgenden Jahre (8. Oct. 1825)
bestimmte er zur Vermehrung der physikalischen Apparate bei der Universität jährlich 150 Taler. Außerdem ward auch noch
bei dem im Spätjahre 1820 eröffneten Landtage die kräftige Mitwirkung der Stände zur Unterstützung der
Universität in Anspruch genommen, worauf die Stände in ihrer Bewilligungsschrift vom 27. Mai 1821 einen jährlichen
Zuschuß von 2.000 Talern ausmittelten. Hiervon sollten 800 Taler zur Besoldung des für die Verwaltung des
Universitätseinkommens im J. 1825 eingesetzten Rentmeisters, 400 Taler zur Ergänzung der Bibliothek und 800 Taler zur
Besoldungsverbesserung einiger Lehrstellen in der theologischen und in der philosophischen Fakultät bestimmt werden. Dieser
jährliche Beitrag von 2.000 Talern wurde bei dem Landtage im Jahre 1824 von den Ständen verdoppelt, indem anderweite
2.000 Taler jährlich zur Unterstützung angehender hoffnungsvoller Privatlehrer und zur Besoldungserhöhung oder zu
Gratifikationen für zu gering ausgestattete Professoren bewilligt wurden, so wie außerdem noch ein Aversionalquantum von
12.000 Talern zur Wiederherstellung der durch den Krieg unbrauchbar gewordenen großen Horsäle der medizinischen und
philosophischen Fakultät, überhaupt zur Anlegung neuer Horsäle und zur Vermehrung der Lehrmittel und Sammlungen.
Endlich machten die veränderten Zeitverhältnisse eine Revision der Gesetze für die Studierenden nötig. Es erschienen
daher am 29. März 1822 die neuen Gesetze für dieselben, zu welchen im J. 1825 ein Zusatz bekannt gemacht wurde. Der Entwurf
einer gänzlichen Umbildung der Verfassung und Verwaltung reifte unterdessen seiner Vollendung entgegen und König Anton
führte aus, was sein königlicher Bruder gedacht und vorbereitet hatte.

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Das Augusteum.
Der Bau
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Der Organisationsplan der Universität begriff auch in sich den Umbau und Neubau der baufälligen Universitätsgebäude.
Zu diesen gehörte das alte, vom Kurfürst August aufgeführte, an die Universitätskirche sich anschließende
Hintergebäude des Paulinums, in welchem sich hauptsächlich Studentenwohnungen befanden. Ein anstoßendes, mit dem mittleren
Teile des Paulinums in Verbindung stehendes Seitengebäude war bereits umgebaut, und für die Aufnahme des
Universitätsgerichts, der Rentverwalterei, die akademischen Gefängnisse, der Gerichtsdiener- und der Pedellen-Wohnungen
eingerichtet, auch mit einem Saale für die Sitzungen des akademischen Senats würdig ausgestattet worden.

Der notwendige Neubau jenes Hintergebäudes, des sogenannten Zwingerhauses, kam jetzt an die Reihe der Ausführung. Anfangs hatte
man dabei blos an die Wiederherstellung der Studentenwohnungen, und an die Anlage von Hörsälen und Professorenwohnungen
gedacht. Diesem Zwecke gemäß entwarf der Baudirektor Geutebrück den auf das Notwendige beschränkten Bauriß und
den Kostenanschlag; allein der von den Ständen (siehe oben unter Stiftung) beantragte großartige Charakter eines Gebäudes,
das kein Wohnhaus, sondern ganz zu Universitätszwecken in wissenschaftlichem Sinne bestimmt und als solches zugleich ein Denkmal
für den verewigten König Friedrich August werden sollte, machte eine Erweiterung und Umbildung des ursprünglichen Entwurfes
nötig. Die königl. Bau-Kommission veranlaßte daher den königlich preußischen Oberbaudirektor Schinkel in Berlin,
einen Riß einzugeben, und der darauf gegründete Bauplan, über den sich der Baudirektor Geutebrück mit dem
Oberbaudirektor Schinkel in Berlin besprochen hatte, wurde angenommen, die Ausführung desselben aber dem Baudirektor Geutebrück
übertragen. Das neue Gebäude sollte nun eine Aula, oder einen großen Saal zu Universitätsfeierlichkeiten enthalten,
welcher als Hauptteil des Gebäudes dessen Mitte einnehmen mußte, und in der Hauptfassade hervortretend, sowohl eine reichere,
sich vor den Flügeln des Gebäudes auszeichnende, und der inneren Dekoration des Saales entsprechende Architektur, als auch die
nötige Tiefe erhalten konnte 21). Außer dem Festlokale sollten die Universitätsbibliothek, das physikalische Kabinet und
mehrere Horsäle in dem Neubaue untergebracht werden. Diese Aufgabe und die sowohl durch die anstoßende Universitätskirche,
als auch durch das erwähnte Seitengebäude beschränkten räumlichen Verhältnisse bedingten den Bauplan des
Augusteums. Da nun auch das Gebäude eine größere Tiefe und Länge als früher erhielt, so erhöhte dies den
ersten Kostenanschlag desselben, mit Einschluß des inneren Ausbaues, auf das Doppelte.

Das Abtragen des alten Pauliner-Gebäudes, anfangs auf 2.500 Taler geschätzt, war wegen der örtlichen Schwierigkeiten, auf
die man bei Untersuchung des Grundes stieß, mit einem großem Aufwande verbunden, der sich bis auf 5.000 Taler steigerte. Es
fanden sich nämlich auf der Baustelle tiefe Keller vor, von bis 40 Fuß Tiefe, und von 9 bis 20 Fuß Weite; ferner
ehemalige Zisternen, vorzüglich aber viele und tiefe Gräber des ehemaligen Kirchhofes; daher mußten die Grundmauern
je nach dem Befunde des gewachsenen Bodens, eines feinen aber dichten Sandes, in Absätzen von sehr verschiedener Tiefe bis 9 Ellen
tief aufgeführt werden, und im Jahre 1831 waren sie bis zur Sockelhöhe zu Stande gebracht.

Hierauf wurde am Stiftungstage der Universität, am 4. December 1831, der Grundstein zu dem Augusteum feierlich gelegt. Die
Feierlichkeiten dieses Tages hatten der königliche Kommissarius, Hof- und Justizrat von Langenn, in Auftrag Sr. königlichen
Hoheit, des Prinzen Johann, und der damalige Rektor der Universität, Professor Dr. Klien, gemeinschaftlich angeordnet und
vorbereitet. Auf die von denselben ergangene Einladung versammelte sich an diesem Tage - einem Sonntage - früh, gegen 10 Uhr, die an
dem festlichen Zuge Teilnehmenden in der Sakristei der Thomaskirche. Gegen 11 Uhr begann der Festzug unter Glockengeläute. Er wurde
durch eine Abteilung der Kommunalgarde eröffnet. Ihr folgten, begleitet von dem Baudirektor Geutebrück und dem
Universitäts-Rentmeister Wachs, die rüstigen Maurer und Zimmerer, unter deren kunstverständigen Händen der neue Bau
emporgestiegen ist; hierauf der erste Zug der Studierenden; dann die Stadtverordneten, Kramermeister, Handlungs- und
Buchhandlungs-Deputier-ten, das Stadtgericht und der Rat, die königlichen Beamten, die Konsuln der fremden Mächte, das
königliche Oberpostamt, der königlich sächsische Schöppenstuhl, das königlich sächsische Konsistorium
und Oberhofgericht, die Offiziere der königlichen Truppen, welche sich mit den Mitgliedern des hiesigen Kommunalgarden-Ausschusses
vereinigten; ferner die Rektoren, Direktoren und Lehrer der öffentlichen Schulen und Institute; die Vesperprediger und Geistlichen
aller Konfessionen; der von Sr. K. Hoheit, dem Prinzen Johann beauftragte Regierungs-Kommissarius, Hof- und Justizrat, gegenwärtig
Geheimer Rat Dr. Friedrich Albert von Langenn, begleitet von seinem Protokollanten, gegenwärtig Geh. Finanzrate von Ehrenstein; der
Träger der Münzen; sodann der Rektor der Universität, Domherr, Hofgerichtsrat und Professor des Kirchenrechts,
Dr. Karl Klien; der Träger der Gedenktafel; der Bürgermeister der Stadt Leipzig, Dr. Deutrich, der Träger der Schriften
und der von der Kaufmannschaft verehrten Denkmünze; die vier Fakultäten, geführt von ihren Dechanten; ein zweiter Zug der
Studierenden, wie die Ersteren, unter Anführung uniformirter Führer und mit den Universitätsfahnen; endlich schloß
den Zug eine Abteilung der Kommunalgarde.

Dieser Zug bewegte sich durch die in den Straßen in Doppelreihe aufgestellten übrigen Abteilungen der Kommunalgarde,
begrüßt von den Musikchören derselben, sowie von denen der hiesigen Garnison, und begleitet von einer großen
Volksmenge durch das grimmaische Tor nach der in dem ehemaligen grimmaischen Zwingergebäude befindlichen Stelle, wo früher
der, Pomöriana genannte Teil des Pauliner-Collegiums stand, und wo in der Ecke des Mittelbaues, rechts nach der Kirche zu, der
Grundstein zum Augusteum gelegt werden sollte. Hier angelangt, sprach der Regierungs-Kommissarius, Hofrat von Langenn, folgende Worte:

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"Als im Lenze des Jahres 1827 ernstes Glockengetön den Sachsen verkündete, daß der Vater des Vaterlandes, der
geliebte König Friedrich August, seine irdische Laufbahn vollendet habe, da gelobten die getreuen Stände des Königreichs
auf dem durch Se. Majestät den König Anton berufenen Landtage, dem geliebten Toten ein Denkmal zu weihen, welches würdig
sei, den Namen des verehrten Fürsten recht eigentlich den Nachkommen zu verkünden.

Nichts konnte dem Sinne unsers Friedrich August mehr entsprechen, als ein zu Beförderung der Weisheit und Wissenschaft bestimmter
Tempel, dessen Plan ausgezeichnete Künstler entwarfen, dessen Bau geschickte Meister und die Schaar fleißiger Arbeiter
begannen.

Heute sind wir hier versammelt, um diesem Baue, der bis zum Lichte des Tages gefördert ist, die erste Weihe zu geben nach
löblicher Sitte.

Wer ist unter uns, dem in dieser Zeit und bei dieser Handlung nicht recht lebhaft die Vergangenheit und Gegenwart vor's Auge treten
sollte? Mehr als vierhundert Jahre sind verflossen, seitdem am 4. Tage des Christmonats ein kriegsrüstiger Fürst der Sachsen
den Ankömmlingen aus Böhmens Königsstadt huldreich seine Hand reichte und die Hochschule der Lindenstadt gründete,
und nur wenige Monate sind es, seit unser Vaterland eine neue Verfassung erhielt.

Allem Irdischen ist sein Tag gesetzt, doch unvergänglich ist der Sinn und der Geist, in welchem wir unsre Werke tun, treu bewahret
ihn die unbestechliche Geschichte bis an's Ende der Tage, und auch uns möge aus ihren Hallen der Nachruf tönen: Es wahren die
Sachsen auch in ihrer neuen Zeit das Andenken ihres Vaters Friedrich August.

So möge denn Gott gnädig walten über diesen Bau; er gebe fröhlichen Fortgang, und lasse die Zinne des Hauses in
edler Form sich erheben, damit die äußere Form den Lehren entspreche der Weisheit und Wissenschaft, welche in dem Innern
desselben verkündet werden sollen.

Doch auch dieser Bau ist ein Menschenwerk, und die Zeit wird auch seine festgefügten Mauern trennen; wer wird dann, so fragen wir
uns, wer wird dann wohnen auf der Stätte, die wir haben, wer wird dann den Namen der Sachsen tragen, wie weit werden Gewerbe,
Kunst und Wissenschaft vorgeschritten sein?

Dies sieht nur das Auge über den Welten; wir aber vertrauen diesen Mauern Zeugen unserer Tage an, welche zu den Nachkommen
sprechen: Zuerst die Allerhöchsten Beschlüsse in Bezug auf den Bau; die JubeImedaille, welche die Leipziger Kaufmannschaft
auf das 50jährige Regierungsjubiläum Sr. Majestät Friedrich August's prägen ließ; den Sterbetaler, auf den
Tod St. Majestät Friedrich August's geprägt; die Konstitutionsmedaille und eine Tafel, welche die heutige Feierlichkeit
beschreibt.

Im Auftrage St. königlichen Hoheit des Prinzen Johann lassen Sie mich nun mit den ersten Schlägen des Hammers den Grundstein
des Baues bezeichnen:

1) Zur Ehre Gottes erstehe auch dieses Werk!

2) Das Andenken des Fürsten, dessen Namen es tragen wird, sey uns heilig!

3) Lange und glücklich regiere unser König und der Mitregent; kräftig blühe das gesammte königliche Haus bis
in die spätesten Zeiten!"
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Hierauf trat der Rector der Universität, Dr. Klien, zu dem Grundsteine. Aus seiner Rede heben wir folgende Worte aus:

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"Jahrhunderte sind entschwunden seit dem merkwürdigen Tage des 4. Dezembers 1409, an welchem in diesen Mauern die
segensreiche Anstalt ins Leben trat, welche als Leipzigs Universität Wissenschaft und Kunst von Geschlecht zu
Geschlecht förderte und verbreitete. Nicht bloß auf Sachsens Grenzen war ihre Wirksamkeit beschränkt; nein,
sie verbreitete sich über alle Regionen deutscher Zunge, ja selbst über andere Länder des Erdkreises, wohin
deutsche Literatur drang, nachdem diese zugleich mit deutschem Fleiße Athens und Roms klassische Schätze, diese
Urbilder der früheren Kultur, mit sich verschmolzen hatte.

Friedrich der Streitbare bewährte durch seine Stiftung, daß er wohl zu würdigen wußte den
unschätzbaren Wert einer Pflegerin der gesamten Wissenschaft und Kunst in ihren vielfachen Verzweigungen, welchen er
einen Zufluchtsort in Leipzig eröffnete. Dem Beispiele des Ahnherrn folgten die späteren Fürsten Sachsens.
Dankbar trägt die Geschichte ihre Namen auf die Nachwelt; glänzender noch strahlen sie, weil die edelsten der
Fürsten Sachsens richtig erkannten: daß nur bei einem freisinnigen, vielseitigen Streben und Walten die
Kräfte sich regen; daß nur unter dem Schutze der Denk- und Gewissensfreiheit, der Rede- und Lehrfreiheit, im
Bunde mit einer wohlgeordneten, der erreichten Stufe der Bildung entsprechenden bürgerlichen Freiheit, das menschliche
Geschlecht vorwärts schreite und gemeinsam dem vom Schöpfer Allen gesteckten erhabenen Ziele hoher Ausbildung
allmälig sich nähere. Und wahrlich! Welch' ein Unterschied zwischen dem Jahre 1409 und 1831, wie anders steht es
um die gemeinsame Kultur und Humanität damals und jetzt, vom Palaste bis zur niedrigsten Hütte!

Viel, sehr viel aber wirkten für die Verbreitung dieser Humanität die deutschen Universitäten, jene
Freihäfen der Wissenschaft, zu welchen nicht bloß die Söhne der Mächtigen und Reichen, nein, auch in
großer Zahl die der Ärmsten gelangten, unter ihrem Schutze und ihrer Pflege, aus dem Dunkel hervortraten, um
später als Lehrer und Förderer der Wissenschaft und Kunst sich zu bewähren.

In ihren Grüften ruhen: Friedrich, der Stifter unserer Hochschule, samt seinem Mithelfer Wil- helm; Ernst und Albert,
die erlauchten Ahnherren der beiden noch blühenden Hauptlinien des Sächsischen Fürstenhauses; Friedrich der
Weise, der Stifter der mit Leipzig Jahrhunderte hindurch verschwisterten Universität Wittenberg und der Schirmer der
aus dieser Pflanzschule glorreich hervorgegangenen Kirchenverbesserung; Moritz, der Held im Kriege und der milde Pfleger
der Schulen im Frieden; endlich Friedrich August, der treue Vater seines Volkes während sechs Jahrzehnten,
ausgezeichnet wie durch Frömmigkeit, Gerechtigkeit und Milde, so durch den Besitz reicher Wissenschaft. Wohl mochten
Sachsens Volk und Stände ihrem unvergeßlichen Wohlthäter und Könige kein würdigeres Denkmal
errichten, als dieses zum Tempel der Wissenschaft geweihete neue Augusteum, dessen Grundstein wir heute legen.

Diese Feier weihe unser Tagewerk! Es trete hervor in einer treuen, sorgsamen Pflege aller edlen Wissenschaft und Kunst,
welche, ihres höheren Ursprungs sich bewußt, vom Himmel kommend und zurückführend zum Himmel, mit
angestrengter Kraft sich frei erhält von üppiger Sinnenlust und von Sinnenrausch, frei von Hoffahrt und
Übermuth, frei von Gemeinheit, Ausartung und Vorurteil.

Eine solche Pflege führt vom rechten Wissen zum rechten Glauben, und vom rechten Glauben zum rechten Tun, und der Gott
im Busen verkündiget uns eben so laut, als der Gott in der Schrift: dieses Reich vergehet nie; es steht, wenn auch die
Werkstätte in Staub zerfällt.

Das sei das erhabene Ziel unseres gemeinsamen Strebens. Die Universität in Lehre und Beispiel voran, alle Übrige
ihr nach im gemeinsamen Bunde der Humanität.

Wie wir jetzt in die Tiefe legten die Symbole dieser Zeit, so dringe, teure Kommilitonen, meine Stimme tief in den Grund
Eures Herzens und begeistere Euch für Euern Beruf, damit auch Euer Bau heilbringend sei für Euch selbst,
segensreich für das nächste Geschlecht, fortwirkend fürs Gute, auch dann noch, wenn diese Mauern, welche
über dem heute gelegten Grundstein emporsteigen sollen, einst zusammengesunken als Ruinen der Vorzeit dastehen.

Erkennt die Wahrheit, und sie wird Euch frei machen. Glaubt nicht, das Ideal stehe zu hoch; es nähert sich uns, wenn
wir uns ihm nähern; es erhebt und erhält uns aufrecht im Sturme der Zeit!

Und so trete ich hinzu, anbetend den allmächtigen Herrn der Herren und Welten; mit dankbarer Liebe und Ehrfurcht
huldigend dem Andenken des Vaters seines Volkes, Friedrich August's; Heil und Segen erflehend für den ehrwürdigen
König, den geliebten Mitregenten, für den erhabenen Förderer dieses Neubaues und für das
königliche Haus; für Sachsens Volk und seine Stände; für den Flor und Wohlstand Leipzigs, durch seinen
Handel der Wissenschaft und Kunst vielfach befreundet! Aufgefordert durch das Amt, das ich trage, lasse ich den Hammer
fallen und tue den ersten Schlag;

Zu Ehren einer echten Wissenschaft, welche freisinnig nach Allem forscht und treulich prüft, welche den Verstand durch
klares Wissen erhellet und das Herz durch frommen Glauben veredelt; zu Ehren der Pflanzstätte einer solchen
Wissenschaft, aller ihrer Pfleger, Bekenner und Söhne, also der gesammten Universität!

Ich tue den zweiten Schlag:

Zu Ehren der mit der Wissenschaft innig verschwisterten Kunst, welche in siebenfachem Bunde hervortreten läßt in
erhabenen Gestalten, Formen und Tönen, was der Geist erschuf, zu Ehren aller ihrer Pfleger, Bekenner und Söhne
und also zu Ehren der Universität!

Ich tue den dritten und letzten Schlag:

Zu Ehren des Hand- und Tagewerks, aus welchem Wissenschaft und Kunst allmälig sich hervorbildeten, ohne welches sie
nicht bestehen, nicht vorwärts schreiten können; zu Ehren Aller, die ihren mühevollen Berufsweg als
ehrenwerte Mitglieder des Ganzen mit frommem Sinn wandeln, zu Ehren des zwischen Wissenschaft, Kunst und Hand- und Tagewerk
bestehenden Bandes wahrer Humanität, also abermals zu Ehren der Universität, welche bekennt:

Nur den Meister laßt uns loben,

Denn der Segen kommt von oben!"
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Gleichergestalt sprach nun der Bürgermeister der Stadt Leipzig, Dr. Deutrich, im Namen der ehemaligen Stände Folgendes:

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"Dem Könige, der achtundfünfzig Jahre sein treues Volk beglückte, beschlossen die Stände des
Landes in dankbarer Verehrung ein Denkmal zu weihen, würdig, der Nachwelt zu verkünden seinen Ruhm.

Den Wissenschaften überwiesen sie dieses Denkmal.

So steige es denn empor;

Den Ständen, die es beschlossen, zur Ehre!

Der Universität, der es übergeben, zum Heile!

Den Meistern und Gesellen, die es bauen, zur Freude!

Gott schütze den Bau!"
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Mit diesen Worten fielen die letzten drei Schläge auf den Grundstein, auf daß die symbolische Zahl neun, nach
Sitte der Altvordern, erfüllt würde.

Der Gesang: "Nun danket Alle Gott," in welchen die versammelte Menge dankend und freudig mit einstimmte, beschloß
das Gründungsfest einer Zukunft, die Gott segne 22)!

In den Jahren 1832 und 1833 wurden die Geschosse in möglichst gleichmäßiger Höhe aufgemauert und am
14. September 1833 das Richtfest des Augusteums nach alter, löblicher Sitte, unter angemessenen Feierlichkeiten mit
Gesang, Musik, Reden und Festmahl, in Gegenwart des königl. Regierungskommissars, des Rektors der Universität,
Professor Dr. Haase, mehrerer Professoren, Beamten, Baumeister u. s. w., begangen. In dem Gebäude selbst konnten die
Hörsäle schon zu Ostern 1835 für die akademischen Zwecke eröffnet, so wie die Bibliothek und das
physikalische Kabinet im Laufe des Sommers eingeräumt und aufgestellt werden.

Jetzt steht das Gebäude in einfach gefälligen Formen zwischen der Universitätskirche und der
Bürgerschule, mit der Hauptseite östlich nach dem großen, schönen Platze gerichtet, der die
grimmaische Vorstadt von der Stadt trennt. Es ist 152 Ellen lang, im Mittel 341/2 Ellen tief, 3 Geschoß von
Ziegelmauern hoch; es hat in der Fronte 25 Fenster, wovon auf den Mittelbau 9 kommen, und auf der Seite 3 Fenster; es ist
mit einem Schieferdache, über dem Frontispice aber mit Kupfer gedeckt. Die Simsungen, die Fenstergewände, das
Hauptgesims und dessen Konsolen sind aus Sandstein, die übrigen Mauerteile aus Ziegelsteinen ausgeführt, und
hierbei, so wie auch bei den Simsungen im Innern sind Formstücke von gebranntem Ton benutzt.

Der Grundbau im Kellergeschosse enthält die nötigen abgeschlossenen Räume zu Kellern und nach Befinden zu
Aufbewahrung von Brennmaterialien u. s. w. Auch ist hier der Luftheizungsofen angelegt. Das Erdgeschoß mit 3
Eingängen vom Zwingerhofe des Mittelgebäudes und einem Torwege in der Vorderseite am Zwinger, nebst den
überwölbten und durch ein Fenster an jedem Ende gut erhellten Korridoren zwischen den beiden Seiten der
Hörsäle und zwei in die oberen Geschosse führenden Treppen, enthält 9 Hörsäle von
verschiedener Größe, in welchen zusammen 840 Sitzplätze für an Tafeln Schreibende sich befinden. Zu
je zwei Auditorien gehört ein kleines Zimmer, in welchem die Professoren vor oder in den Zwischenstunden ihrer
Vorlesungen sich aufhalten. Außerdem sind auf beiden Seiten des Mittelbaues Wohnungen für den Amanuensis bei
der Bibliothek und für den Castellan eingerichtet. Die in diesen beiden Wohnungen befindlichen Treppen führen in
ein Entresol, welches Kammern enthält. Die Haupttreppe, welche sich im rechten Flügel befindet, führt nach
der Aula und dem Haupteingange der Bibliothek. Das erste obere Geschoß enthält die Aula, welche den Raum der
beiden oberen Geschosse des Mittelbaues einnimmt, auf dem linken Flügel die Lokalitäten für das
physikalische Kabinet und auf dem rechten Flügel die Räume für das erste Bibliotheklokale; das zweite
Geschoß enthält die übrigen Bibliothekräume, welche durch die Aula getrennt sind, aber durch die
Galerie der Aula miteinander in Verbindung stehen. - Die 24 Dachfenster des Gebäudes liegen nach der Dachflucht und
bestehen aus starken Glastafeln in einem Rahmen und einem Kranze, beides von Kupferblech 23).

Über die Motiven des inneren Baues gibt der Baumeister folgende Auskunft 24): "Der Fall des Terrains vor der
Hauptfassade und das Niveau des Hofraums gaben auch das Niveau der Durchfahrt im Mittel des Gebäudes, womit die
Anlegung der Stufen zu den Korridoren bedingt wurde. Um den Hörsälen die größtmögliche
Ausdehnung einzuräumen und bei der Notwendigkeit, der Bibliothek den nötigen Raum nicht zu entziehen,
mußte die Ausdehnung der Treppenräume so viel als möglich beschränkt werden. Die Anlage der Treppen
selbst mußte wegen des Festsaales im Mittelbaue und wegen der Örtlichkeit des Bauplatzes in die Flügel
verlegt werden. Um die durch die Aula unterbrochene Verbindung der beiden Flügel im zweiten oberen Geschosse
herzustellen, wurde dieselbe mit einer längs der Hoffronte sich hinziehenden Galerie versehen, welche im ersten
Geschosse eine Art Vorhalle oder den Eintritt in die Aula darbietet. Zu dieser Galerie im zweiten oberen Geschosse gelangt
man auch mittelst einer Treppe im linken Flügel, welche zugleich nach dem Dachboden führt und durch einfallendes
Licht beleuchtet wird. Im ersten Hauptgeschosse liegt noch eine dritte Treppe, welche ebenfalls auf die Galerie
führt, und neben derselben ist ein kleines Zimmer für die Redner bestimmt.

"Die Anordnung der mittelst Bogen verbundener Pfeiler wurde durch die Schornsteinleitung aus dem ersten Geschosse, durch
die freien Räume der oberen Geschosse und die Notwendigkeit einer Unterstützung für die schwer belasteten
Balkenlagen verursacht." Bei dem Ausbaue des Augusteums ist insbesondere noch die Anlegung eines Blitzableiters und eines
Brunnens zu bemerken 25).

Im Jahre 1836 wurde die äußere Ausschmückung des Augusteums, welche die Ständeversammlung als das
Charakteristische eines Denkmals ansah und deshalb genehmigte, noch vor dem Monat August zu Stande gebracht. Sie ist das
Werk des Professors Rietschel in Dresden. Die königl. Baukommission hatte nämlich die Ausführung des
bildlichen Denkmals, das in Dresden aufgestellt werden wird, dem Gutachten der Stände zufolge, unter der Leitung
Rauch's, einem jungen sächsischen Bildhauer, Herrn Ernst Rietschel aus Pulsnitz, gegenwärtig Professor bei der
königl. Sächsischen Akademie der Künste, übertragen. Derselbe Künstler hat auch den
Emblemen-Zyclus ein Relief im Giebelfelde des Augusteums, die freistehenden Musen über dem Haupttore und den
Arabeskenkreis in schöngearbeiteten Basreliefs an den Pilastern des Portals erfunden und modelliert, im Großen
aber nach seinen Modellen durch den Hofstuckaturer Papatschy aus Dresden in einer sehr dauerhaften Masse, die aus
Ziegelstücken, Gips, Kalk und Wassersand besteht, ausführen lassen 26). Die Skulpturen im Fronton des
Augusteums, welche schon im Jahre 1835 fertig wurden, stellen in vier Gruppen, jede zu zwei Figuren, die vier
Fakultäten symbolisch dar. In ihrer Mitte schwebt aus der Höhe ein Genius herab, gleichsam das Fiat lux
verkündend. Man hatte bisher die personifizirte Darstellung der Fakultäten mehrmals, in den Sälen des
Vatikans und mannigfaltig in Gemälden, wie in der Aula in Bonn, auch in Stahlschnitt, so auszuführen versucht,
daß eine Hauptfigur, immer in eine Abteilung eingeschlossen, in der Mitte ihrer Attribute thronte. "Hier aber galt
es, sagt Böttiger, einen Figurenverein so zusammen zu stellen, daß die Gesetze der Pyramidalform, die durch die
Giebelgestalt bedingt ist, symmetrisch in Einklang gebracht würden, dabei aber doch die anmutigste Mannigfaltigkeit
in Handlung und Bewegung dem Ganzen Leben und Geist einhauchte." Der Künstler gab jeder Fakultät einen Lehrer
und einen Lernenden; er setzte sie dadurch in Handlung und erhielt ein weites Feld, um sowohl den Lehrer, als den
Lehrjünger in den verschiedenartigsten Abstufungen des geistigen Gebens und Empfangens darzustellen. Die zwei inneren
Gruppen stellen rechts die Theologie, links die Jurisprudenz dar. Eine Ehrfurcht gebietende und doch milde Gestalt des
Lehrers der Theologie zeigt nach oben. Auf seinem Knie ruht ein Buch; wir sehen vor uns den begeisterten Ausleger der
heiligsten Urkunden. Der Schüler, mit dem einen Knie auf den Sessel des Lehrers gestützt, hört mit Andacht
die Worte des Lebens, und die leise gehobene Hand deutet seine Empfänglichkeit an. "Man muß gestehen, sagt
Böttiger, daß Rietschel diese Gruppe mit frommer Gemütlichkeit so ausgestattet hat, daß Jeder sich
von ihr besonders angezogen fühlen wird. Blick, Mine und Drapierung des Lehrers und alles Übrige streifen
sichtbar an die Vorstellung des göttlichsten aller Lehrer, und so möchten wir den Kopf des Jüngers einen
Johanneskopf nennen." Der Künstler hat den Jünger, im Gegensatze zu dem Rechtsschüler, in
größerer innerer Bewegung und Gefühlslebendigkeit, auch in den äußeren Formen, in Gesicht, Haar
und Gewand, das Weicherer der Liebe vorwaltend gezeigt. Der oben krumm gebogene Hirtenstab in seiner Hand bedarf kaum der
Ausdeutung. Er ist das evangelische Gleichniß von seinem künftigen Berufe. Auf der anderen Seite weist der
streng gehaltene Rechtslehrer hin auf die gleich innenstehenden Schalen der Wage in seiner Linken. Der entschlossen vor
ihm stehende, freisinnig vor sich blickende Jüngling stützt sich auf den Rutenbündel mit dem eingebundenen
Beile und hat die andere Hand an die Hüfte gelehnt. Kräftig gestaltet, im kurzgeschürzten Gewand und
krausem Haarwuchs, hört er auf die Auslegung des strengen Begriffs der Gerechtigkeit. Beide Figuren sind nur halb
drapiert in antiker Mantel- und Tunikabekleidung. - Neben der Theologie bildet nach außen hin die Philosophie die
dritte Gruppe. Ein glatzköpfiger Greis, wohl etwas an Sokrates erinnernd, zeigt mit der einen Hand auf die Brust,
mahnend an das "Lerne dich selbst kennen" des griechischen Weisen. Er hält mit der anderen Hand eine Rolle auf dem
übergeschlagenen Schenkel; halb knieend zeigt der sinnende, in sich gekehrte Jüngling mit dem Zeigefinger am
Kinn, tiefes Nachdenken über das Gehörte. Andeutend ward ihm der cartesianische Schlüssel, das von dem
Künstler glücklich erfundene Attribut des Zweifels, als des Weges zur Wahrheit durch die Wissenschaft, gegeben;
auch die Leuchte, welche die Aufklärung entzündet, erblicken wir symbolisch vor uns. - Auf der anderen Seite
nach außen zeigt der Lehrer der Arzneikunde in einer eigenen, den Eifer des Demonstrators trefflich beglaubigenden
Stellung, dem Jünger das Hauptorgan aller Anatomie, den Schädel. Der Jünger hatte sich schon mit der
Pharmazeutik und Arzneimittellehre zu beschäftigen angefangen, als dem Zielpunkte der Heilkunst, wie die auf der
kleinen daneben stehenden Tafel befindlichen Geschirre und Kräuter bekunden. Aber der Arzt nötigt ihn, auf die
Fundamentalwissenschaft, auf die Zergliederungskunst seinen Blick zu richten. - Um aber Alles zu einem Ganzen zu
verbinden, überragt eine, ohnehin durch das Dreieck des Giebelfeldes bedingte Mittelfigur die einzelnen Figuren des
wohl ersonnenen Zyklus. Es ist jener Genius des Lichts, eine hehre, höchst anmutige weibliche Figur, mit
ausgebreiteten Armen, entfalteten Händen und mächtig beschwingten Flügeln. Milder Ernst wohnt in dem
aufwärts gerichteten Blicke des schönen Kopfes, auf dessen einfach gescheiteltem Haare ein Stern über der
Stirn winkt. Wer kann einen Augenblick daran zweifeln, daß diese Lufterscheinung die himmlische Begeisterung ist,
ohne welche alles irdische Wissen nur toter Buchstabe, alles Lehren nur ein tönender Schall ist? Daß sie von
oben kommt, zeigt ihr Ausblick, so wie ihre ganze Stellung. Sie schwebt drei Stufen herab und hat mit einer
Fußspitze schon den Boden berührt, auf welchem die vielgespaltene Wissenschaft waltet. Es ist die
personifizierte Darstellung des Spruches: "Alle Weisheit kommt von oben herab." - Bedarf es nun noch eines Wortes der
Andeutung, daß durch sie in der Mitte Alles in Harmonie und in vollkommenen Einklang gebracht wird, daß es nur
so ein Ganzes ist, was wir erblicken? - "Nichts lieblicher, damit schließt Böttiger seine Ausdeutung, als
diese himmlische Antipandora!"

Das Portal des Augusteums ist eben so reich als sinnvoll verziert. Die beiden in Pilasterform hervortretenden steinernen
Torgewände sind auf den beiden vorderen Seiten, und auf den vier inneren und äußeren Seiten mit schlanken,
mehrfach abgeteilten Blätter- und Fruchtstengeln geschmückt, die aus einem schönen Blattkelch von
Acanthuslaub emporsteigen, an denen Lorbeeräste und Palmenzweige sich in die Höhe ranken, auf welchen tropische
Vögel sich wiegen, die den leeren Raum zwischen dem Gezweige heiter beleben und das Einförmige durch die
Abwechselung organischer Gebilde unterbrechen. Die vier Fruchtstengel laufen in Weizenährenkronen aus; auf den beiden
Vorderseiten aber ist der mit Laub und Fruchtreisern bekränzte Stengel durch Gruppen von drei jugendlichen Figuren,
die in der Mitte auf Blätterwerk und Ähren stehen, unterbrochen; es sind die Genien der Wissenschaft und der
Kunst - jener in denkender und schreibender Stellung, dieser die Kunst, welche auf der Wissenschaft und Ideen ruht, als
Rhetorik, Poesie und, durch die Harfe, auch die Musik andeutend; sie leiten den Jüngling aufwärts, wo, in der
Höhe über dem Frucht- und Blätterwerke, der geflügelte Genius des Ruhms mit Lorbeerkränzen, als
dem Preise des Sieges, und auf dem andern Pilaster der Genius der Unsterblichkeit, mit Palmenzweig und Sanduhr, das Wort:
Brauche die Zeit! andeutend, aus vollen Fruchtähren sich aufschwingen. So scheint es, daß diese Bildersprache
in Arabeskenform gedeutet werden kann. Die Torgewände selbst tragen ein Gebälke, auf welchem die beiden Quellen
der Erkenntniß, Vernunft und Erfahrung, durch die Meditation und die Tradition in edler Musengestalt personifiziert,
mit ihren Attributen, die Bestimmung des Augusteums dem Eintretenden ernst und schweigend andeuten. Die eine gleicht der
Polyhymnia, welche, den Zeigefinger auf den Mund legend, den Gedanken gleichsam erfaßt und festhält; die andere
gleicht der Kalliope, welche mit der Wachstafel und dem Schreibgriffel das Werk der Begeisterung schafft und der Nachwelt
überliefert: denn die Geschichte der Wissenschaft ist das Heldengedicht des menschlichen Geistes. Unter dem
Gebälke sieht auf einer von zwei geflügelten weiblichen Genien gehaltenen Tafel mit goldnen Buchstaben die
einfache Inschrift: AUGUSTEUM.

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Die Aula.
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Dieser zu akademischen Festlichkeiten, Disputationen und Promotionen bestimmte Saal nimmt, wie schon erwähnt wurde,
die beiden oberen Geschosse des Mittelbaues ein. Er hat eine Höhe von 36, eine Länge von 100 und eine Tiefe von
42 Fuß, nebst dem Raume unter der Galerie aber von 60 Fuß; mit neun Fenstern in jedem Geschosse, auf der
Hauptseite. Unter der Galerie hat die Aula 5 Fenster; die übrigen 4 Fenster bilden an der Rückseite: 2 das
Vorzimmer, l das Kabinet für die Redner und das vierte neben dem vorigen die Treppe nach der Tribüne. Die
Galerie ist für Musikchöre, Sänger und fremde Besucher bei stattfindenden Feierlichkeiten bestimmt.
Überhaupt kann die Aula, wenn die für die Studierenden bestimmten Stühle weggenommen werden, bequem an
tausend Personen fassen.

Die Dekoration der Aula ging aus der Konstruktion der Galerieanlage und der äußerlich zwei Stockwerke bildenden
Fensterseite hervor. Die Wand- und Pilasterflächen sind mit Stuckmarmor überzogen. Die Pilaster und Simsungen
sind weiß, dagegen die Felder grau mit Friesen nach Art des giallo antico. Jene Felder geben Gelegenheit zur
Aufstellung von Büsten und zu einem besonderen Schmucke durch Reliefs.

Die edelste und die würdigste Zierde der Aula ist das schöne Steinbild des verewigten Königs Friedrich
August, beiden Rednerstühlen gegenüber. Es stellt den königlichen Gesetzgeber sitzend, mit gesenktem
Haupte, gleichsam in der Mitte zwischen zwei Menschenaltern, Vergangenheit und Zukunft, das Alte und das Neue ernst
erwägend, dar. Bekanntlich wird die Statue des Königs, als das von den Ständen beschlossene bildliche
Denkmal, an den vier Seiten des Piedestals umgeben von vier Figuren, die Frömmigkeit, Weisheit, Gerechtigkeit und
Milde vorstellend, vom Prof. Ernst Rietschel verfertigt und nach dessen Modellen in Erz gegossen, in Dresden aufgestellt
werden. Das von dem Künstler hierzu verfertigte Gipsmodell in der halben Größe des Erzgusses, nach welchem
das Erzgußmodell von ihm gefertigt wurde, steht nunmehr in der Aula. Auch ist Prof. Rietschel mit der Modellierung
der Reliefs der Aula und der in derselben aufzustellenden Büsten, sowie mit der Ausführung derselben teils in
Marmor, teils in Gips beauftragt.

Diese Reliefs sollen, wie man glaubt, wenn nicht Abänderungen und Zusätze, wenigstens teilweise, noch statt
finden, in den zwölf Tafeln der oberen Wandfelder die Hauptepochen der Kulturgeschichte darstellen. Vier Gipsmodelle
zu den vier Seiten des Piedestals des in Dresden aufzustellenden bildlichen Denkmals von Bronze, die obengenannten
charakteristischen Eigenschaften des verewigten Königs Friedrich August vorstellend, werden das Modell seines
Denkbildes in der Aula umgeben. Von den zur Zeit des Baues lebenden Fürsten des sächsischen Königshauses
wünscht und hofft die Universität folgende Marmorbüsten mit Gewand aufgestellt zu sehen: den verewigten
König Anton; Se. Majestät, den regierenden König Friedrich August, Se. königl. Hoheit, den Prinzen
Maximilian, Herzog zu Sachsen, und Se. königl. Hoheit, den Prinzen Johann, Herzog zu Sachsen. Auch sind, dem
Vernehmen nach, die Gipsbüsten einiger berühmten Leipziger Professoren, überhaupt zwölf
ausgezeichneter Männer, deren Wahl noch unentschieden ist, zur Ausschmückung der Aula bestimmt.

Alles, was zur inneren Dekoration des Augusteums gehört, als die Malereien und die Farben des Marmors in der Aula,
der Rednerstuhl, die Tore des Gebäudes u. s. w., sind ohne Schinkels Mitwirkung nach den Angaben und Zeichnungen des
Baudirektors Geutebrück ausgeführt worden 27).

Die Aula wird durch erwärmte Luft geheizt; doch ist auch die Einrichtung getroffen, daß erforderlichen Falls
die Heizung mittelst gewöhnlicher Öfen bewerkstelligt werden kann 28).

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Die Bibliothek der Universität.
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Die zu der Bibliothek im Augusteum gehörigen Räume sind durch eine Türe an der Haupttreppe abgeschlossen.
Zunächst derselben befindet sich der Eingang in das Expeditionszimmer für die Kustoden und neben diesem das Lesezimmer.
Bei jenem sind Glastüren angebracht, um die Aufsicht über die Aus- und Eingehenden und über das im Lesezimmer
befindliche Personale zu erleichtern. Damit die Verteilung der Bibliothek in zwei Geschosse weniger beschwerlich werde, führt
eine innere Treppe unmittelbar aus dem unteren Bibliotheksraume nach dem oben im rechten Flügel, und letzterer bleibt demnach
durch diese Treppe, welche nicht nur Wänden abgeschlossen ist, in vollständigem Zusammenhange mit den anderen
Lokalitäten der Bibliothek. Mittelst der Galerie der Aula und durch einen Vorplatz und zwei Zimmer wird die Verbindung mit dem
im linken Flügel des zweiten oberen Geschosses gelegenen Bibliothekraume hergestellt. Dieser wird als abgesonderter Teil der
Bibliothek betrachtet, hat aber auch einen besonderen Zugang von der zweiten Treppe (der auf dem linken Flügel), so wie zwei
kleine Zimmer.

Die Bücherschränke sind zwischen den Hauptmauern und den Pfeilern, die das Gebäude stützen und tragen,
aufgestellt. Als Doppelschränke nehmen sie die Breite der Pfeiler ein und haben Licht von beiden Seiten.

Aus der Geschichte der Universitätsbibliothek führen wir an, daß ihre Grundbestandteile die Sammlungen der
philosophischen Fakultät, des großen und kleinen Fürstenkollegii, welche um das Jahr 1680 mit der Paulinerbibliothek
zu einem Ganzen vereinigt wurden, und eine Reihe von Schenkungen und Vermächtnissen aus der letzten Hälfte des 15.
Jahrhunderts bilden. Die erste Anlage und Aufstellung der Paulinerbibliothek in dem Mittelgebäude des Paulinums, in der
Bibliothecana, ist das verdienstliche Werk des unvergeßlichen Dr. Caspar Börner. Er sammelte aus den verlassenen
Mönchszellen an 600 Schriften, und der Herzog Moritz gestattete schon im Jahre 1544, auf Börners und Kommerstädts
Vorstellung, daß die kleine Sammlung durch die Bibliotheken der in Leipzig eingezogenen Klöster vermehrt wurde. So kamen
auch durch Börners Thätigkeit, unter Mitwirkung des kurfürstlichen Rathes Dr. Kommerstädt und des Kommandanten
der Pleißenburg, Christoph von Carlowitz, im Jahre 1545 die zum Teil nicht unbedeutenden Sammlungen der Klöster zu
Altenzelle, Buchau, Chemnitz, Lauterberg, Pegau, Pirna, Salza u. a. m. hinzu, wodurch die Paulinerbibliothek, außer den
Handschriften, auf 4000 Bände anwuchs. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zählte die Bibliothek, die ihre
Bereicherungen fast ausschließlich nur den Schenkungen oder Vermächtnissen einzelner Privatpersonen und Freunde der
Universität verdankte, gegen 40.000 Bände. Seitdem fingen ihre Erwerbungen an bedeutender zu werden. Durch
Vermächtnisse kamen hinzu die Bibliotheken des Professors der Geschichte, Job. Gottlob Böhme (gest. 1780), von 6.513
meistentheils historischen Werken; des Domherrn und Prof. der Rechte, Josias Ludw. E. Püttmann (gest. 1796); des Prof. der
Medizin, Joh. K. Gehler (gest. 1813), zugleich mit einem Kapital zur fortgesetzten Bereicherung derselben; des Rechtskonsulenten K.
A. Hennicke (gest. 1831); durch Ankauf die reichen Büchersammlungen des Prof. G. H. Schäfer (im J. 1817) und des Prof. Dr.
Chr. Dan. Beck (im J. 1835), letztere für 15.600 Taler erkauft; auch wurde der größte Teil der schätzbaren
Bibliothek des 1835 aufgehobenen königl. sächs. Schöppenstuhls im Mai desselben Jahres an die
Umversitätsbibliothek abgegeben. - Unter vielen einzelnen, der Universitätsbibliothek von den Verfassern und anderen
Gönnern der Leipziger Hochschule noch in den letzten Jahren verehrten Werken bemerken wir ein Prachtexemplar der
Übersetzung von Dante's Hölle, ein Geschenk des erlauchten Verfassers, Sr. K. H. des Prinzen Johann, Herzogs zu Sachsen;
ferner das schöne, in wenig Exemplaren vorhandene Werk: Panofka, Antiques du Cabinet du Comte de Pourtales-Gorgier, ein
Geschenk des Herrn Grafen von Pourtales-Gorgier; die wichtige Sammlung der brittischen Record-Commission; von Herrn Henry Beaufoy in
London das auf eigene Kosten und in seiner Privatpresse prachtvoll gedruckte Werk: "Nautical and hydraulical experiments with
numerous scientific miscellanies" seines verstorbenen Vaters, des Obersten Marc Beaufoy, u. a. m. 29).

Eine gänzliche Umbildung erfuhr die Universitäts-Bibliothek seit ihrer Aufstellung im Augusteum. Diese ward unter der
tätigen Leitung und Aufsicht des Oberbibliothekars Dr. E. G. Gersdorf in der kurzen Zeit von vier Wochen im Juni 1835 zu Stande
gebracht. Nach seiner Anordnung sind im unteren, dem Expeditions- und Lesezimmer zunächst gelegenen Saale an den Wänden in
mehrern mit Glastüren versehenen Schränken die Manuskripte und die Paläotypen bis zum Jahre 1480 aufgestellt. Die
Zahl der Manuscripte (gegen 2.000 Voll.) beläuft sich auf 6.000. Alte Drucke von der Guttenberg'schen (42zeiligen, auf Papier
und auf Pergament) und der Pfister'schen (36zeiligen) Bibel sind bis zum Jahre 1480, zusammen 261 in mehr als 300 Bänden
aufgestellt. An Drucken bis zum Jahre 1500 zählt die Bibliothek über 2.000 Bände.

Nächstdem sind in mehrern, von beiden Seiten freistehenden Repositorien in dem unteren Saale die allgemeinen
Enzyklopädieen, die allgemeine Literaturgeschichte, die griechische und lateinische Grammatik und Lexikographie, die klassische
Literatur der Griechen und Römer, die Fächer der griechischen und römischen Alterthümer und der Archäologie
aufgestellt.

In dem oberen Saale sind die Fächer der Theologie und Philosophie, der Jurisprudenz, der Medizin und der Naturwissenschaften
befindlich. Aus diesem Saale gelangt man durch ein Zimmer, in welchem jetzt Doubletten und einiges Andere aufgestellt sind, auf die
Galerie der Aula und von da durch die zwei kleinen, oben erwähnten Zimmer, welche keinen besondern Zwecken dienen, in den
dritten Saal, welcher das Gesammtgebiet der Geschichte und deren Hilfswissenschaften, das Staatsrecht und die
staatswissenschaftliche und Journalliteratur enthält. Hier werden auch in besonderen Schränken die Landkarten und
Münzen aufbewahrt. Die Münzsammlung ist in der Periode der römischen Kaiser und der obersächsischen Bracteaten
des Mittelalters nicht ganz unbedeutend. Ein kleines Zimmer, welches mit diesem Saale in unmittelbarer Verbindung steht, ist zu
einem Arbeitszimmer für Bibliothekbeamte eingerichtet. Außerdem führt zu diesem Saale noch eine besondere Treppe aus
dem Vorplatze der für das physikalische Kabinet bestimmten ersten Etage.

Die Bibliothek besitzt überdies eine seit der Mitte des 16. Jahrhunderts mit wenigen Unterbrechungen bis zu Anfang des 19.
Jahrhunderts fortgesetzte Sammlung von mehr als 200 Portraits ehemaliger Professoren dieser Hochschule, von Cranach und
späteren Künstlern. Als eine sehr wertvolle Bereicherung dieser schätzbaren Sammlung kamen durch ein Vermächtnis
des ehemaligen Buchhändlers Reich 34 Portraits, gemalt von Ant. Graff, Oeser, Tischbein und anderen Meistern hinzu. Von dem
Ersteren allein besitzt die Universität 28 Bildnisse von vorzüglichem Kunstwerte, worunter: J. A. Ernesti, Garve, Gellert,
Hiller, Lippert, Mendelsohn, Morus, A. H. Niemeyer, Ramler, Spalding, Sulzer, Chr. Fel. Weiße, Zollikofer und And. Es ist zu
wünschen, daß diese Bildnisse gereinigt, mit Nußöl erfrischt, eingerahmt und würdig aufgestellt werden
möchten. Mit einer Ausgabe von etwa 1.000 Talern könnten sie vor dem Untergange geschützt und der späteren
Nachwelt erhalten werden. Dann würden die Pfeilerreihen auf eine ausgezeichnete Weise die Büchersäle durch jene
Meisterbilder verherrlichen.

Da die Bibliothek an Bändezahl sehr gewachsen, der Gebrauch derselben aber sehr erweitert worden ist, so mußte auch das
dabei angestellte Personale vermehrt werden. Die Zahl der Bände beläuft sich nämlich gegenwärtig auf 100.000 bis
110.000 Stück, ohne die Handschriften und Dissertationen. Die Bibliothek stand den Besuchenden, Studierenden und Literaten erst
seit 1711 regelmäßig, Mittwochs und Sonnabends von 10-12 Uhr, offen. Diese Erleichterung des Gebrauchs, welche Feller
nicht hatte zur Regel erheben können, bewirkte der Prof. Chr. Friedr. Börner durch seine Vorstellungen. Seit dem Jahre
1784 wurde die Bibliothek während der Meßwochen alle Tage geöffnet, und seit dem Jahre 1833 steht sie, ausgenommen
in der Zeit von Ostern bis Jubilate und während der drei Wochen der Michaelismesse, täglich offen - Mittwochs und
Sonnabends von 10-12 Uhr; die übrigen Wochentage von 2-4 Uhr. Seitdem hat sich nicht bloß die Zahl der Leser, welche in
den Öffnungsstunden Bücher zum Nachschlagen, Lesen und Exzerpieren in dem Lesezimmer benutzen, außerordentlich
vermehrt, sondern auch die Zahl der in die Behausung ausgeliehenen Bücher ist gegen sonst auf das Dreifache gestiegen, und
steigt mit jedem Jahre.

Das Bibliothekpersonale besteht gegenwärtig aus einem Oberbibliothekar, dem um die neue Ordnung sehr verdienten Dr. E. G.
Gersdorf, aus zwei Kustoden, den Professoren Dr. Kunze und M. Hartenstein, aus mehreren Gehilfen (jetzt 3) und einem Diener.

Die zur Unterhaltung und Vermehrung der Bibliothek jährlich ausgesetzte Summe besteht in 300 Talern ältere ständische
Bewilligung, 1500 Taler Bewilligung seit 1833, 192 Taler Zinsen des Gehlerschen Legats und kleinen Zuschüssen von Kapitalzinsen
und Einkommen von den Inskriptionen, Promotionen und Bücherauktionen. Eine Bibliothekkommission, welche durch
Ministerialverordnung vom 3. April 1833 aus dem Oberbibliothekar und fünf ordentlichen Professoren der vier Fakultäten
niedergesetzt wurde, hat über die Vermehrung der Bibliothek und die zweckmäßige Verwendung der dazu bestimmten
Gelder zu beraten und zu beschließen.

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Das physikalische Kabinett.
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Die Lokalitäten dieses Kabinetts befinden sich in dem ersten Hauptgeschosse des linken Flügels des Augusteums. Sie sind
nach der Angabe des verstorbenen Professors Brandes eingerichtet worden. Das Haupt-zimmer enthält 13 Schränke zur
Aufbewahrung von Instrumenten, deren Zahl gegenwärtig 565 beträgt. Neben dieser Abteilung liegt der mit einem leicht zu
verfinsternden Fenster versehene Raum zu optischen Versuchen, an welchen noch ein Gemach anstößt, das zu gleichen Zwecken
dient, teils zur Verlängerung des optischen Zimmers, welche bei manchen Versuchen nötig wird, teils zur Aufstellung
mehrerer Instrumente. Mit diesen Räumen steht das Arbeitszimmer für den Professor der Physik in Verbindung, so wie das
Auditorium desselben. Eine kleine Lokalität rückwärts von diesem Hörsale dient als Laboratorium zu
physikalischen Experimenten.

Das physikalische Kabinett verdankt seinen Ursprung und seine erste Ausstattung im Jahre 1785 dem verewigten, mit der
Naturwissenschaft vertrauten Könige Friedrich August. Das zur Unterhaltung und Vermehrung desselben bestimmte jährliche
Geldquantum beträgt jetzt 300 Taler, wovon jedoch auch die Ausgaben für Experimente bei Vorlesungen und für Reinigung
der Instrumente und des Kabinetts mit bestritten werden.

Wenn es nun gleich an einigen genauen Meßinstrumenten und an solchen fehlte, die dazu dienen konnten, die Erscheinungen in
etwas größerem Maßstabe nachzuweisen, so ist doch der gegenwärtige Fonds genügend, wenn es blos darauf
ankommt, das Kabinett mit Instrumenten zur experimentalen Erläuterung der akademischen Vorträge zu versehen.

Bei dem Kabinette sind angestellt als Oberinspector, der ordentliche Professor der Physik, M. Gust. Theod. Fechner, seit 1834, und
als Inspektor, Herr Aug. Wilh. Fuchs, bei welchem sich diejenigen zu melden haben, welche den physikalischen Apparat zu sehen
wünschen.

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So war ein Werk der Kunst und der Volksliebe vollendet, das die Stände des Königreichs ihrem unvergeßlichen
Könige gelobt und geweiht haben. Es enthält zugleich in seiner Aula das Urbild des plastischen Denkmals, das, bis zum
Erzgusse vollendet, in der Residenz aufgestellt werden wird. Die königliche Baukommission hat im Sinne des Volkes und im Geiste
der Stände den ehrenvollen Auftrag des Königs vollzogen, und an ihrer Spitze stand, ununterbrochen das Ganze einsichtsvoll
und tätig fördernd, ein Fürst des Landes! Gleiches hat bis jetzt die vaterländische Geschichte noch nicht in
ihren Jahrbüchern aufgezeichnet. Wir nennen daher die Namen der Mitglieder der Kommission.

Durch die allerhöchsten Spezial-Reskripte vom 19. März und 12. Juli 1830 sind, zu Ausführung der dem verewigten
Könige Friedrich August zu errichtenden Denkmale, als königliche Kommissarien ernannt worden:
1) Se. königl. Hoheit, der Prinz Johann, Herzog zu Sachsen, als Vorsitzender;
2) der Konferenzminister und wirkliche Geheimerat, auch Präsident des geheimen Finanz-Kollegii - gegenwärtig
Bundestagsgesandter - Freiherr von Manteuffel;
3) der wirkliche Geheimerat und Präsident der Kriegsverwaltungskammer, Generalmajor - gegenwärtig Staats- und
Kriegsminister - von Zezschwitz;
4) der Appellationsgerichts-Vizepräsident - gegenwärtig Konsistorial-Präsident - Geheimerat Dr. von Weber;
5) der Oberkonsistorial-Vizepräsident - nachheriger, jetzt in Ruhestand gesetzte Obersteuer-Direktor - Freiherr von Fischer;
6) der Präsident des Stadtpolizei-Kollegii zu Dresden - gegenwärtig Geheimer Finanzrat - Geheimerat von Charpentier, und
7) der Hof- und Justizrat - später als Minister des Kultus und öffentlichen Unterrichts verstorbene - Dr. J. Müller;

und als die von den ehemaligen Landständen erwählten ständischen Mitglieder bestätigt worden:
a) der Kabinettsminister und Staatsekretär der inneren Angelegenheiten, Detlev Graf von Einsiedel; und der Landesälteste
der Oberlausitz von Gersdorf, als dessen Substitut;
b) der Generalleutenant von der Cavalerie à la suite der Armee, von Leyser, und
der Oberhofrichter, Direktor des Consistorii zu Leipzig, auch Präsident des vereinigten Kriminal- und Polizeiamtes daselbst,
Geheimerat von Ende, als dessen Substitut;
c) der Fürst Reuß, Heinrich LXIII. auf Klipphausen, und
Heinrich Schütz, auf Schweta, als dessen Substitut;
d) die Stadträte zu Leipzig, Dresden und Kamenz, durch einen von ihnen abzuordnenden Deputierten ihres Mittels, welcher
anfänglich der Bürgermeister Dr. Sickel, nachher der Bürgermeister Dr. Deutrich; der Bürgermeister Pohlandt in
Dresden; anfänglich der Bügermeister KIengeI, nachher der Senator, Rittmeister Schomberg zu Camenz - gewesen.

Die Substituten haben, mit Ausnahme des unter a genannten L. A. von Gersdorf, niemals tätigen Anteil an den Verhandlungen
genommen.

In Folge der neuen ständischen Verfassung sind auch zu Ende des Jahres 1831 die oben unter a bis mit d genannten
ständischen Deputierten, da der denselben, ständischer Seits, erteilte Auftrag als erloschen zu betrachten war,
ausgeschieden, und eben so sind von den ernannten königl. Kommissarien dermalen nur noch die oben unter Nummer l. 3. 4. 5. und
6. genannten als teilnehmende Mitglieder zu betrachten, da das Mitglied Nummer 2. von Dresden abwesend und Nummer 6. verstorben ist.
Neue Mitglieder sind nicht ernannt worden; doch hat der jedesmalige Kultminister zuweilen Anteil an den Verhandlungen genommen.

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Die Übergabe des Augusteums an die Universität.
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Das Denkmal Friedrich Augusts war in seiner äußeren, einfachen und heiteren Gestaltung, in seiner schönen und
beziehungsreichen Ausschmückung und in seinem inneren Ausbaue vollendet. Die Bibliothek war aufgestellt und das physikalische
Kabinett eingerichtet; beide waren länger als ein Jahr in Gebrauch und die Vorlesungen hatten bereits im dritten Halbjahre
ihren Fortgang. Was die getreuen Stände von 1830 und von 1833 vorgeschlagen und bezweckt, was der verewigte König Anton
und der Prinz Mitregent genehmigt und angeordnet hatten, war unter der unmittelbaren Leitung der königlichen Baukommission
glücklich ausgeführt. Nun konnte das Augusteum seiner Bestimmung und der Universität übergeben werden. Der 3.
August 1836 war der dazu gewählte Tag. Das Namensfest des frommen, weisen und gerechten Königs der Sachsen, das
zweiundsechzig Mal - das letzte Mal im Jahre 1826 von drei Geschlechtern seines treuen Volkes - mit Ehrfurcht und Vertrauen, mit
dankbarer Liebe und Freude gefeiert worden war, dieses Fest sollte jetzt nach zehn Jahren wiederkehren, als ein Tag der Huldigung,
dargebracht dem segensreichen Andenken des verewigten Fürsten, gefeiert von der Dankbarkeit seines Volkes, von der Ehrfurcht
des jüngeren Geschlechts und von der Hoffnung einer glücklichen Zukunft, die Gott durch Friedrich Augusts
achtundfünfzigjährige Regierung dem Lande gegeben.

Die Anordnung des Festes war von dem Ministerium des Kultus und des öffentlichen Unterrichts, nach den Vorschlägen des
akademischen Senats, erfolgt; die Anstalten zu demselben wurden von dem Rektor der Universität getroffen und vorbereitet. Der
akademischen Sitte gemäß hatten der Rektor, die Dechanten und der Senat der Universität zu der Inauguration des
Augusteums durch ein Festprogramm eingeladen, in welchem der Professor und Comthur Dr. Hermann die Gründe für und wider
diese oder jene Ausführung öffentlicher Denkmäler, mit Bezugnahme auf die in der sächsischen
Ständeversammlung darüber geführte Verhandlung in klassischem Latein bündig darlegte und beredt zeigte, wie in
dem Augusteum alles sich vereinige, was Verehrung, Dank und Liebe sinnbildlich ausdrücke und zugleich die höheren
Interessen lebendig fordere. Darum sei dem Könige Friedrich August, dem Kenner und Beschützer der Wissenschaft, dem
redlichen, weisen und beharrlichen Beförderer des Volkswohls durch die Volksbildung, ein Tempel der Wissenschaft, in der
Hochschule seines Landes, deren Zweck Er kräftig gefördert habe, von seinem dankbaren Volke auf die Dauer von
Jahrhunderten errichtet und in demselben sein ehrwürdiges Charakterbild als ein Denkmal für die Nachwelt aufgestellt
worden 30).

Als der Tag seines Namens gekommen war, der als ein Fest der Wissenschaft und des Vaterlandes gefeiert werden sollte, da trat, ein
herrlicher Sprosse des alten ehrwürdigen Fürstenstammes Wettin, ein später Enkel des Kurfürsten Moritz, der
einst - vor zweihundert und dreiundneunzig Jahren - die Hallen des Paulinums der Universität erschlossen und sie mit Stiftungen
großmütig ausgestattet hatte, der Prinz Johann, Herzog zu Sachsen, in die Mitte der Hochschule, und vollzog im Namen des
Königs, Friedrich August II., die Übergabe des Augusteums an den Rektor der Universität, Dr. Karl Friedrich
Günther.

In der Begleitung des Herzogs Johann befanden sich der Staatsminister von Lindenau, welcher als Vorsitzender des Gesamtministeriums
von Seiten der Regierung an dem feierlichen Akte Teil nahm, und der Geheimerat Dr. von Weber, Präsident des evangelischen
Landes-Konsistoriums, als Kommissarien; - sodann der Kreisdirektor von Falkenstein, als Regierungsbevollmächtigter, und der
Geheime Kirchenrat Dr. Hänel.

"Se. königl. Hoheit und Se. Excellenz der Herr Minister - so lautet der Bericht in der Leipziger Zeitung - wurden im
Augusteum an der Treppe von einigen Studierenden und Professoren ehrerbietigst empfangen und in die Aula geleitet, wo bald darauf um
10 Uhr der festliche Zug der Universität anlangte."

Dieser hatte sich in der Thomaskirche um 8 Uhr versammelt. Hier ordneten sich die sämtlichen Studierenden, welche an der
Feierlichkeit teil nahmen, ingleichen die Professoren und akademischen Lehrer nach den Fakultäten, so wie die besonders
eingeladenen Vorstände und Mitglieder der verschiedenen Behörden, Schulen und städtischen Vereine, die mit der
Universität in näherer oder entfernterer Verbindung stehen. Der Festzug wurde durch zwei Abteilungen der Studierenden
eröffnet, diesen folgte das gesamte Lehrerpersonale der Universität, nach den vier Fakultäten, jede von ihrem
Dechanten, die ganze Korporation von dem Rektor geführt. An sie schlossen sich paarweise an die zur Teilnahme am Zuge
eingeladenen Vorstände und Mitglieder der Behörden und Vereine; den Schluß machten zwei Abteilungen der
Studierenden. Um neun Uhr trat der Zug aus der Kirche und bewegte sich von Marschällen geleitet, mit wehenden Fahnen, in dem
bei feierlichen Gelegenheiten üblichen Kostüm, durch die Burgstraße, die Schloßgasse, Petersstraße,
über den Markt, durch die Grimma'sche Gasse und den Grimma'schen Zwinger bis zu dem Portale des Augusteums. Mit festlicher
Musik - der schönen Jubel-Ouvertüre von Maria von Weber - empfangen, zog derselbe in die Aula ein, wo zwei Fahnen zu den
Seiten des Steinbildes und zwei in der Nähe Sr. Königl. Hoheit gesenkt wurden; die fünfte und sechste ward in der
Mitte der akademischen Versammlung aufgestellt, in welcher Jeder den ihm angewiesenen Platz einnahm, die Fakultäten im
Halbkreise zu beiden Seiten des Rednerstuhles, bei welchem die Pedelle standen; vor demselben der Rektor und die Dechanten; in der
Mitte der Prinz und die königlichen Kommissarien; diesen zunächst die Reihen der eingeladenen Fremden und Einheimischen.
Unter vielen ausgezeichneten Einheimischen und Fremden, welche Zeugen dieser Feierlichkeit waren, bemerkte man mehrere Mitglieder
der hohen Ständeversammlung, den Geheimenrat von Ende, die Herren Offiziere der Garnison und der Kommunalgarde, den Deputierten
der Universität Halle-Wittenberg, Geh. Hofrat Prof. Dr. Gruber, den Deputierten der Universität Jena, Geh. Kirchenrat
Prof. Dr. Baumgarten-Crusius, den Geh. Hofrat Prof. Eichstädt und Andere, so wie die Gegenwart Sr. Hoheit, des hier
studierenden Erbgroßherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach, die hier angestellten Konsuln der fremden Mächte, den
Kammer-Präsidenten Geutebrück von Altenburg und viele Andere. Den übrigen Raum füllten die Studierenden. Auf der
Galerie befanden sich das Musikchor, die Frauen der Professoren und andere Frauen aus der Stadt, in welcher so viele Familien den
Studierenden bei sich wohlwollend aufnehmen, ein Vorzug, den Leipzigs Hochschule dankbar anerkennt. Überall hatten die
Studierenden selbst die Ordnung so geleitet, daß es keiner anderen Anstalt bedurfte und Alles der getroffenen Anordnung
gemäß mit dem würdigsten Anstande vollzogen wurde.

Als die Musik schwieg, erhob sich der Prinz Johann und richtete das Wort an die Versammlung. Er bezeichnete in freier,
kräftiger Rede die Wichtigkeit seines Auftrages und die hohe Bedeutung des Tages mit folgenden Worten:

"Beauftragt in dem Namen der zur Errichtung des Augusteums niedergesetzten Kommission, das Gebäude, welches uns
gegenwärtig umschließt, der Hochschule Leipzigs, deren Zwecke es gewidmet ist, zu übergeben, glaube ich mich
verpflichtet, in dieser feierlichen Stunde mit wenigen Worten an die doppelte Bedeutung des schön vollendeten Werkes zu
erinnern, denn einem Januskopfe gleich deutet es einer Seits auf die Vergangenheit hin, gehört es anderer Seits der fernsten
Zukunft des Vaterlandes an.

Schon die Aufschrift über seinem Tore, schon der Name Augusteum mahnt uns an den verewigten Fürsten, der über ein
halbes Jahrhundert segensreich über Sachsens Gauen herrschte, mahnt uns an die Feier des heutigen Tages, die selbst in der Zeit
der bitteren Trennung aller äußeren Hemmungen ohnerachtet in jedem Orte des Vaterlandes mit gerührtem Herzen
begangen wurde. Und welcher Sachse konnte unbewegt bleiben beim Anblicke der Bildsäule des unvergeßlichen Friedrich
August's, die in diesen Hallen aufgestellt ist, wie sie dereinst auf erhöhter Stelle in der Hauptstadt des Landes aus
dauerhaftem Stoffe prangen soll, ein Denkmal der Liebe und Dankbarkeit seiner Getreuen. Hier wie dort werden einst das Bild des
ehrwürdigen Fürsten die Sinnbilder jener Tugenden umgeben, die sein Leben mit himmlischem Glanze schmückten, der
Gerechtigkeit, der Milde, der Frömmigkeit und der Weisheit. Denn war Er es nicht, dem schon die Mitwelt den seltenen Zunamen
des Gerechten gab, weil Gerechtigkeit der Leitstern seines Handelns, die unerschütterliche Grundlage seiner Politik war! War er
es nicht, dessen milde Hand schon in den ersten Regierungsjahren die blutigen Spuren der Vorzeit vertilgte und ein schöneres
Morgenrot der Humanität herbeiführte? der die Wunden des Landes, die ihm ein siebenjähriger Kampf geschlagen hatte,
mit väterlicher Sorgfalt heilte und das mühsame Werk mit Gottvertrauen selbst da von neuem begann, als am Abende seines
Lebens die Stürme der Zeiten die Weisheit seiner Jugend beinahe vernichtet hatten.

Und was soll ich von jener echten, ungeheuchelten Frömmigkeit sagen, die sein ganzes Leben und Wirken segnend durchdrang, die
ihm jene zarte Gewissenhaftigkeit gab, die nur ein tiefgewurzelter christlicher Sinn hervorzurufen und zu bewahren vermag. Sie, die
Himmlische, begleitete ihn durch alle Wechselfälle des Lebens und umkränzte sein Haupt in der Stunde schwerer Prüfung
mit der Strahlenkrone eines Heiligen.

Und seine Regentenweisheit, war sie es nicht, die unter dem zerstörenden Hauche des Jahrhunderts, unter den dringenden
Anforderungen eines übermüttigen Bundesgenossen deutsche Sitte und deutsche Verfassung dem Vaterlande erhielt, auf deren
Boden allein die wohltätige Umgestaltung der neuesten Zeit freudig und sicher gedeihen konnte? Denn nur aus den noch lebendigen
Wurzeln der Vergangenheit kann die Zukunft kräftig erblühen. Wehe dem Volke, das mit seiner Vorzeit gebrochen hat; es hat
auch keine Nachwelt zu erwarten.

Und so komme ich denn wie von selbst zu der zweiten, eben dieser Zukunft angehörigen Bedeutung des schönen Werkes, zu der
Bestimmung, die ihm sein edler Stifter, als einem Heiligtume der Wissenschaft, als einer Pflanzschule künftiger Geschlechter,
gegeben hat.

Hier soll der angehende Verkündiger des göttlichen Wortes in seine Geheimnisse eingeweiht werden, der künftige
Ausleger des Gesetzes in den tiefen Sinn desselben eindringen lernen; hier soll der künftige Pfleger der leidenden Menschheit
mit der Erfahrung der Jahrhunderte ausgerüstet werden. Aber auch um sein selbst willen wird hier das heilige Licht der
Wissenschaft erhalten und gepflegt werden. Hier werden sich dem Forscher im Reiche der Natur die Geheimnisse des göttlichen
Willens, dem Forscher in den Hallen der Geschichte die dunkeln Räume der Vorzeit eröffnen. Hier wird sie, die Wissenschaft
der Wissenschaften, von Klarheit zu Klarheit emporringen und streben in die Regionen des ewigen Lichts.

Doch Er, der Gründer dieser herrlichen Stiftung - Anton der Gütige - weilt auch nicht mehr unter den Lebenden; die
Wohnungen der Seligen haben ihn aufs Neue vereint mit dem vorausgegangenen Bruder, dessen Andenken ihm stets heilig und
unvergeßlich war.

So möge denn das verklärte Brüderpaar segnend auf diese Stunde herabblicken; damit von dieser Stätte nur fortan
Wahrheit, Frömmigkeit, Pflichttreue und Anhänglichkeit, an König und Vaterland auf das Volk, das sie Beide
beherrschten, in reichen Strömen sich ergieße; ja auch noch über Sachsens Grenze hin fort und fort von hier aus das
Licht der Wissenschaft seine Strahlen verbreite und dies kleine Land, wie früher, so auch künftig, ein Glanzpunkt
verbleibe in der Entwicklungsgeschichte des menschlichen Geschlechts.

Mit dieser frohen Hoffnung übergebe ich das Augusteum in die Hände der Leipziger Universität."

Nach dieser Rede empfing der Rektor aus den Händen Se. königl. Hoheit den Schlüssel des Augusteums als Symbol der
Übergabe des Votivgebäudes an die Universität.

Hierauf sprach der Rektor im Namen der Hochschule die Gefühle der Dankbarkeit aller Mitglieder derselben in folgender, an Se.
königl. Hoheit und die königlichen Herren Kommissarien gerichteten Rede aus:

Durchlauchtigster, Gnädigster Prinz.

Excellenz, Hoch und Wohlgeborne Herren.

"Die Geschichte unserer Hochschule tut kaum irgend eines Tages Erwähnung, welcher für sie schöner und festlicher
gewesen wäre, als der ist, den sie heute feiert, und dessen Glanz dadurch noch erhöhet wird, daß Ew. Königliche
Hoheit Selbst der Universität die hohe Ehre und Gnade erweisen, an der Handlung, die uns hier versammelt hat, persönlichen
Anteil zu nehmen. -

Viele und herrliche Gaben hat die Akademie seit ihrem Entstehen von der Freigebigkeit der Fürsten und Stände dieses Landes
erhalten, aber keine herrlichere, als die ist, welche sie so eben von denselben durch Vermittelung Ihrer Königl. Hoheit
empfängt - ein großes, wahrhaft königliches Geschenk, würdig eines Herscherstammes, der zu allen Zeiten der
Schirm und Hort der Künste und Wissenschaften gewesen ist, würdig der Stellvertreter einer edlen Nation, welche den
Anstalten, wodurch Bildung des Geistes erhöhet und verbreitet werden soll, von jeher einen hohen Rang unter den
Beförderungsmitteln des öffentlichen Wohles zugestanden hat, weil von jeher in der Gesammtheit dieser Nation die lebendige
Überzeugung herrschte, daß sie, der es vom Schicksale versagt war, durch äußere Macht unter den Staaten
Deutschlands und Europas zu glänzen, nur durch die stille Gewalt des Geistes einen ehrenvollen Platz unter den Völkern zu
behaupten vermöge.

Eine höhere Bedeutung noch erhält die heutige Feier, und die Gabe, der diese Feier gilt, durch die Beziehung, in welcher
sie mit dem Andenken an einen Fürsten steht, der in dem Herzen aller Sachsen so lange leben wird, als der Name Sachsen selbst
für ein altes und edles Volk das Zeichen eines jedem Sohne dieses Volkes unendlich teuern innern wie äußern Vereines
sein wird. - Diese Hallen sind den Manen Friedrich Augusts gewidmet. - Ihm, dem Gerechten, dem Vater seines Volkes, dem
Fürsten, dessen Gleichen Wenige die Throne der Erde geschmückt haben, Ihm sollen sie ein Monument sein, das die
Dankbarkeit der ganzen Nation seinem Andenken errichtet hat. Sich selbst hat das sächsische Volk in diesem Entschlusse geehrt,
und doppelt geehrt, da es diesem Hause die Bestimmung gab, durch die es am Vollkommensten als Denkmal des Königs, des Vaters,
des Weisen bezeichnet wird. Denn von hier aus sollen die Lehren der göttlichen und menschlichen Weisheit, von hier aus die
Unterweisung in den Gesetzen und Rechten des Landes, von hier aus die Erkenntniß der geistigen und körperlichen Natur des
Menschen und der ihn umgebenden Welt ausströmen über die Schaaren der Hörer, die Hoffnungen der Zukunft, die edelste
Blüte des jugendlichen Geschlechtes, damit sie dieselben empfangen und aufnehmen in ihren Geist, und sie, bereichert durch
eigne Forschung, verwirklicht durch eigene Kraft, wiedergeben mit reichere Wucher zu reichem Segen für das Inland und das
Ausland, - so daß die Quelle in ihrem Laufe sich ausbreite und zum Strome werde, der den Acker der Menschheit befruchtet und
durch den jedwedes Wahre, Gute und Schöne immer herrlicher und herrlicher erblühet.

Aber auch wir, die Lehrer der Hochschule Leipzigs, fühlen uns hochgeehrt, fühlen uns beglückt, daß wir es sind,
denen dieses teuere Pfand anvertrauet werden soll. Unsere Wünsche, unsere Kräfte, unser Leben haben wir dieser Anstalt
gewidmet; ihre Zwecke sind die unsrigen geworden; sie haben sich mit unserm ganzen geistigen Sein und Streben so innig vereint und
verbunden, daß wir das Heil der Universität und unser eignes nicht mehr zu trennen vermögen - daß wir in ihrer
immer schöner sich entfaltenden Blüte die wesentlichste Bedingung unsers persönlichen Wohles finden, und daß
wir das, was ihr Gedeihen fordert, als eine Vermehrung unsers eignen Glückes betrachten.

Und so fordert uns denn eine heilige Pflicht auf zu dem innigsten und ehrfurchtsvollsten Danke gegen Se. Königliche
Majestät, unsern allergnädigsten Herrn, so wie gegen Ihren vor wenigen Monaten in eine bessere Welt hinüber
gegangenen glorreichen Vorfahren auf dem Throne - gegen die verehrten Stände dieses Landes und gegen das Hohe Ministerium,
durch deren vereinigtes Wirken dieses große und schöne Werk zu Gunsten der Universität beschlossen worden ist - in
nicht minderem Grade aber gegen die Hohe Kommission, unter deren unmittelbarer Leitung dasselbe in kurzer Frist vollendet, und
seiner Bestimmung eingeräumt wurde. - Vor allen gilt in dieser Hinsicht unser ehrfurchtsvoller Dank Ihrer Königlichen
Hoheit, Sie, Selbst ein erleuchteter Kenner und Schätzer der Wissenschaften, der Sie in der Beschäftigung mit den Werken
der Weisheit und Kunst alter und neuer Zeit die schönste Erholung von der Sorge für das öffentliche Wohl finden, Sie,
der Sie, obgleich dem Throne so nahe gestellt, dennoch es nicht unter Ihrer Würde hielten, ein Bürger der literarischen
Republik zu werden, und der Sie den Glanz der königlichen Geburt nicht für unvereinbar mit dem Lorbeer des Schriftstellers
und Dichters geachtet haben, - Sie, Durchlauchtigster Prinz, Gnädigster Herr, waren es auch, der den innigsten und lebhaftesten
Anteil daran nahm, - daß dieses Werk nicht nur zweckmäßig und nützlich, sondern auch würdig und
großartig ausgeführt - als ein herrliches Symbol des erhabenen Gedankens und der heiligen Gefühle, die sich in ihm
aussprechen sollen, in die Wirklichkeit hervorträte.

Empfangen Ihre Königliche Hoheit, empfangen Sie, Excellenz, Hoch und Wohlgeborne Herren, gnädig den Ausdruck unsers
ehrerbietigsten Dankes. Geruhen insbesondere Sie, durchlauchtigster Prinz, am Throne Ihres erhabenen Bruders, des Königs unsers
Herrn, die Reinheit und Innigkeit dieser unserer ehrfurchtsvollen Empfindungen zu bezeugen, und erhalten Sie unserer, durch Ihre
Gnade so oft erfreuten und am heutigen Tage so besonders hochgeehrten Universität auch für alle Zukunft dieselben
huldreichen Gesinnungen, deren Sie uns bisher gewürdigt haben."

Jetzt wandte sich der Staatsminister von Lindenau an die Versammlung und feierte durch inhaltreiche Worte den hohen Festtag. Sein
froher Glückwunsch richtete sich zugleich an das gesammte Land, und was dieser hochverehrte Staatsmann am Schlusse zu der
akademischen Jugend sagte, wird gleichen Anklang finden in dem Herzen der Eltern und in den Wünschen des Volkes, wie in den
edlern Bestrebungen der hoffnungsvollen jüngeren Generation.

"Mit dem heutigen Tage, mit der so eben feierlich stattgefundenen Übergabe dieses Gebäudes an unsere
Landes-Universität ist der Zweck mehrjähriger Arbeiten erreicht und das Bestreben eines dankbaren Volkes, dem
Fürsten, dessen weise Regierung während eines halben Jahrhunderts Glück und Wohlstand über Sachsen verbreitete,
ein lebendiges, geistiges, Seiner würdiges Denkmal zu setzen, ist damit zur Vollendung gediehen.

Denn diese Mauern werden sprechen, aus diesen hohen, lichten Räumen wird Geist und Kenntnis, Wissenschaft und Aufklärung
hervorgehen, hier wird des Landes schönstes, höheres Leben sich bilden und entfalten, und noch der späte Enkel wird
sich mit Stolz des Tages erfreuen, wo einem edlen Fürsten das treue Vaterland ein solches Ehrendenkmal schuf. Wünsche ich
der Akademie, wünsche ich den hier versammelten akademischen Mitgliedern zu einer solchen Bereicherung aus vollem Herzen
Glück, so richtet sich mein froher Glückwunsch noch mehr an das gesamte Land, da auf dem Blühen und Gedeihen unserer
Hochschule die Ehre, Kraft und das Wohlsein des sächsischen Volkes zunächst beruhen.

Denn, wer wollte es leugnen, daß Kirche und Schule die sichersten Pfeiler der bürgerlichen Gesellschaft, die nie
versiegenden Quellen des geistigen Heiles der Menschheit sind? allein eben auch darum müssen wir die Schule um so sorgsamer
pflegen, da die wahre Wohlfahrt der Kirche, deren erhebend begeisternde Bestimmung, nur durch jene gelingen kann und das menschliche
Gemüt für das Fromm-Gläubige unserer christlich-evangelischen Religion nur durch aufklärende Bildung wahrhaft
empfänglich zu werden vermag.

Treulich hat unsere Hochschule in diesem Sinne gewirkt und seit vier Jahrhunderten zur Aufrechthaltung und Verbreitung echter
Gelehrsamkeit und wahrer Wissenschaft erfolgreich beigetragen: daß dies auch ferner der Fall sein werde, dafür bürgt
unseres Königs weiser, Kunst und Wissenschaft fordernder Sinn, dafür bürgt der Leitstern dieses Werks, der unter uns
anwesende Fürst, der seine Fürstenwürde durch Menschenwert erhöht und der, als Redner, Staatsmann und Gelehrter
glänzend, die Wissenschaften liebt und schirmt, dafür bürgen die einsichtigen Kammern des Landes und die
ausgezeichneten, durch Schrift und Wort bewährten akademischen Lehrer, dafür endlich bürgt die hier versammelte,
wissensbegierige Jugend, die den Ruf des Vaterlandes, Kraft und Leben dem Dienste des Staates und der Wissenschaft zu weihen,
beachten und erfüllen wird.

Wohl bedarf es jetzt einer verdoppelten Anstrengung, um in der rastlosen Bewegung der heutigen Zeit hinter dem Hochpunkte des
Wissens nirgends zurück zu bleiben, und wenn in den letzten Jahren Handel und Gewerbe in Sachsen einen glänzenden
Aufschwung erhielt, so muß es unser Wunsch wie unser Bestreben sein, daß für die Wissenschaft Gleiches gelingen und
unsere geistigen Interessen nicht von den materiellen beherrscht und überflügelt werden mögen.

Seit Jahrhunderten galt Sachsen, galt namentlich Leipzig, für die Blüte und Wiege deutscher Gelehrsamkeit, und gewiß
werden die verehrten Männer, denen die höhere geistige Bildung des Landes jetzt anvertraut ist, sorgsam bemüht sein,
diesen ehrenvollen Ruf treu zu bewahren, jeden Teil der Wissenschaften auszubilden, alles Neue, Gute und Vorzügliche sich und
ihren Schülern anzueignen, diese durch Schrift und Lehre, Wort und Tat zu ihrem künftigen Berufe zu befähigen und mit
vereinten Kräften dahin zu wirken, daß unsere Hochschule keiner ihrer deutschen Schwestern nachstehen möge.

Damit aber der Erfolg diese Erwartungen und die Bemühungen der Lehrenden kröne, habe ich meine Wünsche und Bitten
zunächst an die hier versammelte Jugend, an die Hoffnung des Vaterlandes, an Sie zu richten, aus denen die künftigen
Diener und Stützen des Staates, der Kirche, der Schule, der Wissenschaft hervorgehen sollen. Mögen Sie diese oder jene
Bestimmung wählen, so ist Ihr Beruf kein leichter, da die heutige Welt überall Ausgezeichnetes verlangt, zu dessen
Leistung in langjähriger Anstrengung viel Kraft und Mut gehört: doch der Zweck, nach dem Sie streben, muß Sie
erstarken und begeistern, denn aus Ihrer Mitte sollen die Männer heranwachsen, die | |