Rossbach
Vorwort
Der Thurm
Diktaturzeichen
Lenins Wahrsagung
Immobilien
Ruinen schaffen ohne Waffen
Gästehaus Ministerrat
Bildungspolitik
Aufwaidung
Raubbau Willkür Verdummung
Weiterführung SED-Verbrechen
Andauernde Diktaturfolgen
Universität Leipzig
Zäsur

Diktaturfolgen in der Architektur

Leipzig 2014







7. Das Gästehaus des Ministerrates der DDR – Folgen im Musikviertel

Man hatte vieles vor in der DDR. Gemäß damaliger Partei- und Militärdoktrin sollte das Gebäude für den
Ministerrat unauffällig in Nähe des Stadtzentrums entstehen. Ringsherum Wohnscheiben, damit keine
Bombenangriffe erfolgen können (daher auch der „Bombenfang“ - ein fünfteiliger Neubau in der Grassistraße
zur Abschirmung), mit zwei Schaltzentralen für die Stromversorgung, daneben eine Schule (für die Thomaner
nach ihrer Vertreibung aus der Hillerstraße in den 1970er Jahren – inzwischen längst wieder abgerissen),
Freifläche als Hubschrauberlandeplatz etc. pp. Johannes Schulze könnte als Architekt vieles darüber aus
erster Hand berichten, was man heute gar nicht so gut oder so schlecht erfinden kann.

Resümee: Der große Führer, Generalsekretär der SED, Vorsitzender des Staatsrates und des
Verteidigungsrates, Genosse Erich Honecker, hat ein einziges Mal dort übernachtet.

Das berühmte zweite, erhaltenswerte Gewandhaus wurde (aufgrund seiner Stabilität in zwei Anläufen)
gesprengt und dafür wurden im Musikviertel Plattenbauten errichtet. Der letzte Versuch unter Dr. Schalck-
Golodkowski mit BIEG schon angrenzend an ein denkmalgeschütztes Haus (für dessen Erhalt sich die
Anwohner auch weiterer Gründerzeitbauten zu DDR-Zeiten stark gemacht hatten). Aber auch das half nicht
mehr. Es wird sich zeigen, ob weitere Lückenschließungen und Neubauten an die qualitativ hochwertigen
Vorbebauungen heranreichen können.



Baubereich BIEG (Berliner Import und Export GmbH), Grassistraße 12: „Für weltoffenen Handel und
technischen Fortschritt“, um 1987. Dahinter die Wohnscheibe Mozartstraße vor den weiteren ...



Grassistraße stadteinwärts Ecke Haydnstraße, 1910



Grassistraße stadteinwärts Ecke Haydnstraße, 2014

Was die beiden deutschen Diktaturen hier überstand, wurde meist gut saniert. Allerdings gab es leider auch
einige „schwarze Schafe“, d.h. Fälle, die nicht einvernehmlich mit den Mietern geklärt wurden.

Eine Gefahr für die Lückenschließung besteht noch wie hier mit der ehemaligen „Stasi-Kaufhalle“ (die Bürger
schätzten dies nach der Belieferung mit Exportbier zu DDR-Zeiten so ein). Nach den Einigungsverträgen
wurden in Leipzig gerade wieder einige ehemalige Kaufhallen im Stil des „Barack“ (z.B. Sebastian-Bach-
Straße) neu errichtet. Es wäre dem Musikviertel zu wünschen, daß dort wieder eine solide Wohnbebauung
(natürlich mit ausreichend Einkaufsmöglichkeiten) entsteht.



Ferdinand-Rhode-Straße 4, 1905 (kriegszerstört)



Ferdinand-Rhode-Straße 4, 2013



Ferdinand-Rhode-Straße 33, Villa Struve um 1920 (zu DDR-Zeiten für die Folgebebauung wie auch weitere
Gebäude dort intakt vernichtet)



Ferdinand-Rhode-Straße 33, 2013

Gemäß der SED-Planungen und deren Sicherheitsmaßstäben wurden Gebäude auch zweckentfremdet und
die hier von der Nationalen Volksarmee der DDR als Wehrkreiskommando Leipzig-Land vereinnahmt.
Eine Revitalisierung ist bisher nicht erfolgt. Beide Gebäude stehen seit bald 25 Jahren leer!



Ferdinand-Rhode-Straße 35, 2014



Grassistraße 38, 2014

Gemäß der folgenden Postkarte noch einige Vergleiche:



Musikviertel 1905



Simson-Lampe-Straße , Ecke Grassi-/Paul-Gruner-Straße 2001



Robert-Schumann-Straße Ecke Grassistraße, 1905



Robert-Schumann-Straße Ecke Grassistraße, 2013



Robert-Schumann-Straße Ecke Ferdinand-Rhode-Straße, 1905 (Kriegszerstörung)



Robert-Schumann-Straße Ecke Ferdinand-Rhode-Straße, 2013
im Hintergrund das ehemalige Gästehaus des Ministerrates der DDR



Karl-Tauchnitz-Straße 37, Villa E. Fritzsche (daneben Reclam) Ecke Telemannstraße, 1905



Karl-Tauchnitz-Straße 37 Ecke Telemannstraße, 2013



Schwägrichenstraße bis 21, Ecke Robert-Schumann-Straße 1907



Schwägrichenstraße bis 21, Ecke Robert-Schumann-Straße 2013



Schwägrichenstraße bis 15, Ecke Haydnstraße 1915



Schwägrichenstraße bis 15, Ecke Haydnstraße 2013

Was hierbei nicht zu sehen ist, sei noch angemerkt. Natürlich zog hier zu DDR-Zeiten schräg gegenüber dem
Gästehaus des Ministerrates das Ministerium für Staatssicherheit ein und entkernte übelst das Bauwerk.
Gleiches vollzog sich auch beim Gästehaus des Ministerium des Innern der DDR in der Wächterstraße (jetzt
Literaturinstitut).



Schwägrichenstraße 5, Ecke Mozartstraße 1932



Schwägrichenstraße 5, Ecke Mozartstraße 2013

Die beiden Schulen im Musikviertel können im folgenden Kapitel näher betrachtet werden.


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