Königliches Gymnasium
Vorwort
Der Thurm
Diktaturzeichen
Lenins Wahrsagung
Immobilien
Ruinen schaffen ohne Waffen
Gästehaus Ministerrat
Bildungspolitik
Aufwaidung
Raubbau Willkür Verdummung
Weiterführung SED-Verbrechen
Andauernde Diktaturfolgen
Universität Leipzig
Zäsur

Diktaturfolgen in der Architektur

Leipzig 2014




8. Wegweisende sozialistische Bildungspolitik: Perspektive Stasi-Schule

Leipzig besaß bereits einmal 700000 Einwohner – samt einer hervorragend ausgebauten Infrastruktur.
Doch was ist daraus geworden – z.B. aus den Schulstandorten?

Im Musikviertel standen (im Wandel der Zeiten mit etwas veränderten Bezeichnungen)
die Wilhelm-Wundt-Schule und die III. Höhere Bürgerschule.



Wilhelm-Wundt-Schule um 1930, Wilhelm-Wundt-Straße 2 Ecke Ferdinand-Rhode-Straße



Wilhelm-Wundt-Straße 2 Ecke Ferdinand-Rhode-Straße 2013



III. Höhere Bürgerschule , Pestalozzistraße 4 (jetzt Telemannstraße), Ecke Ferdinand-Rhode-Straße) 1898



ehemaliges Umspannwerk Pestalozzistraße 4 (jetzt Telemannstraße), Ecke Ferdinand-Rhode-Straße) 1998
(Zustand heute unverändert)

Doch dies sind nicht einmal die wichtigsten Schulen Leipzigs.

An erster Stelle stand das Königliche Gymnasium (aus dem nicht nur Hans Bötticher alias später Ringelnatz
flog, sondern wo auch der spätere Nobelpreisträger Sir Bernard Katz einen glänzenden Schulabschluß
hinzauberte (er erinnerte sich auch im Alter gern daran).

Das Schulbuch von 1888 bis zur Bombardierung 1943 stellt einen beachtlichen Teil von Leipzigs
Sozialgeschichte mit verschiedensten Religionen dar.



König Albert-Gymnasium, Parthenstraße 1 , 1905



König Albert-Gymnasium, Parthenstraße 1 , 2014

An zweiter Stelle ist die Nikolaischule zu nennen.



Nikolaischule Königstraße, um 1940 (jetzt Goldschmidtstraße)



Goldschmidtstraße Ecke Stephanstraße , 2013

Dazu gesellt sich natürlich die Thomasschule.



Thomasschule , Schreberstraße 9 , 1905



Thomasschule , Schreberstraße 9 , Ecke Sebastian-Bach-Straße 2013

Weitere Schulen könnten genannt werden. Die X. Bürgerschule in der Krönerstraße sei aber nicht vergessen.



„Hermann-Liebmann-Oberschule“ 2013



„Hermann-Liebmann-Oberschule“ 2013

Und an dieser Stelle sei auch noch die ehemalige I. Bürger- und spätere Frauenberufsschule genannt, die
zwar unter der SED nach dem Krieg schon bildlich verschwunden war, aber wo die FDJ zum Buddeln
aufrufen durfte, damit in der Planung vergessene Räumlichkeiten für die Studierenden der Universität wieder
genutzt werden konnten.



Frauenberufsschule Schillerstraße 1913



Standort Frauenberufsschule , jetzt Moritzbastei 2013

Die Stasi-Schule als Zukunftsschule der SED: Heinz-Gronau-Oberschule, (76. Polytechnische Oberschule Manetstraße 7-9)

Analog zum Musikviertel, wo das Gästehaus des Ministerrates der DDR Ankerpunkt der Entwicklung werden
sollte, war diese Schule Patenschaftsschule des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Hier gab es mit
Sicherheit auch perspektivische Zielvorgaben für die kommende Generation. Denn im Umfeld des Neuen
Rathauses waren nicht nur die Arbeiter- und Bauerninspektion oder wie an der Karl-Tauchnitz-Straße die
FDJ-Stadtleitung und die Gesellschaft für Sport und Technik eingenistet, sondern zwischen der SEDStadtleitung,
die zunehmend das Stadtarchiv verdrängte, auch die Villa an der ehemaligen Weststraße nebst
Erweiterungsneubauten für das Ministerium für Staatssicherheit in der Gustav-Mahler-Straße (u.a.
Postüberwachung) einschließlich Postenlaufweg.

Heinz Gronau, den sich die Schüler zum Vorbild nehmen sollten, war Generalmajor im Wachregiment Feliks
Dzierzynski sowie Leiter der Hauptabteilung I des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Nach ihm war
auch eine Stasi-Einheit in Leutzsch benannt worden. Seine Leistungen im Widerstand vor 1945 sind
vermutlich unbenommen, aber er war ein führender Vertreter der zweiten deutschen Diktatur, mit dessen
Vorbildwirkung den tschekistischen Prinzipien zum Sieg des Sozialismus-Kommunismus zum Erfolg
verholfen werden sollten. Und so bleibt es das so ziemlich einzige Verdienst, daß es den Genossen aus
Anlaß seines 100. Geburtstages am 01.01.2012 gelungen war, die Propsteikirche weiterhin von ihrem
Standort zu vertreiben.



Ehemalige Heinz-Gronau-Oberschule 2014, vermutlich ausreichend Parkplatz für das Personal eingenommen



Ehemalige Heinz-Gronau-Oberschule 2014, direkt am Neuen Rathaus mit vom Büro für architekturbezogene
Kunst genehmigter SED-Auftragskunst

Da hierzu bereits weiteres im Forum dokumentiert wurde, abschließend der Blick auf die Szenerie um 1900,
wie sie noch nach dem Krieg mit der kriegsbeschädigten, aber wieder zum Aufbau bestimmten Kirche zu
sehen war, bevor sie die SED 1955 sprengen ließ.



Blick auf die 1847 eingeweihte Kirche in ihrem bebauten Umfeld um 1900

Erwähnt werden muß noch, daß von den über 1.200 hauptamtlichen Leipziger Mitarbeitern des Ministeriums
der Staatssicherheit hundert im neu zu bildenden Schulverwaltungsamt eingestellt wurden. Dokumente der
BStU weisen aus, daß weitere Übernahmen z.B. in die Arbeitsämter erfolgten. Eine Gesamtstatistik hierzu ist
nicht bekannt geworden.


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